Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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nisvolle Wirkung hat dieses Prinzip dadurch, daß es seine jüdischen Anhänger über ihre wahre Lage hinwegtäuscht, sie vom tätigen Interesse an jüdischen Fragen abhält und so der Assimilation Vorschub leistet. Es gibt heute unter den paritätischen Korporationen alle Schattierungen; einige betonen wissenschaftliche Ziele oder die Förderung der Fachstudien, andere wollen auch Juden die Möglichkeit geben, am deutschen Kouleur-, Kneipen- und Fechtwesen persönlichen Anteil zu nehmen. Trotz ihrer Verschiedenheiten sind sie in einem Punkte alle gleich: die Parität steht nur im Programm, in Wirklichkeit bestehen sie fast ausschließlich aus Juden. Diese warten in stiller Ergebung darauf, bis einige Christen sich zu ihnen verirren, die meist außerhalb der eigenen Gesellschaftskreise stehen oder durch persönliche Freundschaft in den Verein gezogen werden. Auf den Universitäten erzählt man sich von bestimmten Verbindungen, daß sich in ihnen Juden taufen lassen, damit die Verbindung wieder „Gojim" hat. Mag dies ein Witz sein oder mag es tatsächlich vorkommen, bezeichnend ist es jedenfalls — auch für die Struktur des deutschen Judentums —, daß man es für wahr halten kann. Wieder andere paritätische Verbindungen bestehen nur aus Nichtjuden, haben aber „zufällig" einen Juden — als Kassenwart; andere, wie z. B. die Reform-Burschenschaften (A. D. B.) haben, ob statutenmäßig oder de facto, dürfte gleichgiltig sein, für die Aufnahme der Juden eine Prozentnorm eingeführt! Wobei noch hinzuzufügen ist, daß es in diesem Verbände wieder einzelne Organisationen gibt, die sich völlig judenrein halten. Es erscheint vom Standpunkte eines selbstbewußten und denkenden Menschen nicht erforderlich, diesen Erscheinungen mit den Waffen der Ethik und Logik entgegenzutreten. Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts hat sich diesen Korporationen die „Freie Studentenschaft" angereiht. Ob sie überhaupt eine Organisation ist oder nicht, kann ich nicht entscheiden, da hierüber in ihren eigenen Reihen verschiedene Meinungen bestehen. Sie soll jedenfalls die Zusammenfassung aller nichtorganisierten Studenten darstellen und hat sich unter völliger Verkennunß des Wertes der Korporationserziehung und anter Verwerfung aller bisher üblichen Organisationsformen das Ziel gesteckt, das Studentenleben zu reformieren, den Studenten mit sozialer Arbeit vertraut zu machen u. a. Auch sie hat — wie jede Bewegung — ihre Juden, die an manchen Orten die Führerstellungen einnehmen, so daß sie oft von den jüdisch-paritätischen Verbindungen in ihrer Zusammensetzung kaum zu unterscheiden ist. Trotz des allgemein-liberalen bezw. sozialistischen Charakters der Freien Studentenschaft, sind auch in ihr antisemitische Strömungen hervorgetreten. Gelegentlich haben sich außerhalb der Freien Studentenschaft Gruppen von deutsch-völkischen 8