Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student an der deutschen Hochschule Dem Neuling, der zum ersten Male eine deutsche Hochschule besucht, bietet sich ein buntes Bild verschiedenartigster Kor- SNationen und Organisationen dar, verschieden teils um ihrer iele, teils um ihrer oft weit zurückreichenden Tradition willen. Nur ein Gemeinsames haben sie fast alle: sie schließen Juden als minderwertig oder als fremdartig und darum störend, statutenmäßig oder „nur" de facto aus. Aus Gnade und Barmherzigkeit lassen sie die Juden in ihren Reihen, die früher einmal bei ihnen aktiv gewesen waren. Man sollte glauben, daß kein Jude Mitglied von „judenreinen" Organisationen bleibt; doch „in Treue fest trotz des Wandels der Zeiten und Stimmungen" unterstützen diese Alten Herren, die alle den ältesten Generationen angehören, „ihre" Korporation eifrig mit klingender Münze, eilen durch ganz Deutschland, um das Haus „ihrer" Korporation einweihen zu helfen, und erwachen zum ersten Male aus ihrem seligen Schlummer oder aus ihrer unwürdigen Kriecherei, wenn „ihre" Korporation die Aufnahme des Sohnes ablehnt oder wenn der Sohn — selbstbewußter als der Vater — den Eintritt verweigert. Immerhin ist eine große Anzahl von ihnen aus den deutsch-christlichen Verbindungen ausgetreten. Als nach einer Pause, die durch die inneren und äußeren Kämpfe Deutschlands ausgefüllt war und die nur unverbesserliche Optimisten über die wahre Natur des Antisemitismus hinwegtäuschen konnte, der Antisemitismus in Deutschland wieder rüde Formen annahm, fanden sich anfangs der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wahrhaft freiheitlich gesinnte Männer, die dieser Bewegung entgegentreten wollten. Ein Teil von ihnen schloß sich in der „Freien Wissenschaftlichen Vereinigung" zusammen, die für liberale Tendenzen wirken und ein Bdispiel für liberale Gesinnung geben sollte, indem sie Juden und Nichtjuden ohne Unterschied vereinigte. Damit war das Prinzip der »Parität". eingeführt, ein Prinzip, das naturgemäß immer mehr von Juden als von Nichtjuden verlangt und befolgt wurde. Die Parität wird nur von einer Seite gehalten und hat damit ihren Inhalt und ihren vermeintlichen Wert verloren. Eine verhäng-