Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein solches Werk fordert seine eigen gearteten Geister, Menschen: auf der einen Seite eine opferfreudige, lernbegierige Jugend, auf der anderen eine reine, vorbildgebende „Helferschaft". Das Volksheim muß seine Tore auch denen verschließen (wenn wir a s selbstverständlich die bloßen Ethik- Theoretiker übergehen), die zwar mit gutem Willen aller Welt ein anständiges Leben vorführen, sich aber zu Hause auf dem Pfuhl der Lüge, der bequemen Lagerstatt des Sich-gehen-lassens und der Nachgiebigkeit ihren „privaten" Bedürfnissen hingeben. Wer sich nicht makelfrei weiß, der muß abtreten. Die Menschlichkeitsapostel mit dem januskopf, die außerdem-Hause-Ethiker sind nicht die Menschen des Volksheims. Hans Loewy. Uns den Vereinen. Jüdischer Turnverein Breslau. Das Jahr 1918 nahm für unseren Verein folgenden Verlauf: Am 1. Januar fand die 10. Generalversammlung statt, die zahlreich besucht war. Mit der Geschäftsführung wurde ein neuer Vorstand betraut. Der sich z. Zt. wie folgt zusammensetzt Dr. Josef Markus 1. Vorsitzender, Franz Weiß, stellv. Vorsitzender und Kassenwart Curt Seidemann 1. Schriftwart, Rosa Friedmann 2. Schriftwart, Lucie Kober, Betty Wagner, Felicia Freund. Neuerdings haben wir unseren Turnbruder und früheres Vorstandsmitglied Max Ehrlich, der aus dem Felde zurück ist, in den Vorstand coorptiert. Infolge Belegung sämtlicher Turnhallen waren wir leider wieder, wie im Jahre zuvor gezwungen den Turnbetrieb Ende November bis auf Weiteres einzustellen. Doch diese Ruhe währte nur einige Tage. Am 1. Dezember luden wir unsere Mitglieder zur Einweihung Unseres Heims, verbunden mit „Chanukahfeier", ein. Zu unserer Freude konnten wir bereits einige aus dem Felde zurückgekehrte Turnbrüder begrüßen. Nach dem LicHtzünden trug Herr Deutsch einen von ihm seihst verfaßten Prolog vor, demsich die Tendenzrede von Herrn Dr. Markus anschloß. Nach den Begrüßungsworteu unseres Vorsitzenden Herrn Weiß, der in warmen Worten unserer gefallenen Turnbrüder gedachte, wurden die Räume, zu deren Einrichtung unsere Mitglieder ein ganz erhebliches Teil beigetragen haben, ihrer Bestimmung übergeben. Als einzige Organisation Breslaus luden wir am 5. Dezember, diu jüdischen Soldaten der Garnison zu einer Chanuckafeier ein. Nach dem Lichtzünden des Herrn Oberkantor Meiß und der Festrede des Herrn Rabb, Dr. Simonsohn, reichten Turnschwestern etwa 150 Soldaten Tee, Gebäck, Zigarren und Zigaretten. Rauschenden Beifall fand die Rede des Herrn Dr. Markus, der in zündenden Worten aufforderte, mitzuarbeiten am Wiederaufbau des jüdischen Volkes. Ein Teil der anwesenden Soldaten trat unserem Verein als Mitglied bei. An Kursen werden im neuen Heim abgehalten: Hebräisch, Palästinakurs sowie ein Samariterkursus. Namentlich der Palästinakursus weist eine äußerst rege Beteiligung auf. Referate wurden erstattet über, Jüdische Erziehungsprobleme im Turn-Verein" von Walter Danziger; Oeschichte Palästinas, von Dr. Rosenbaum; Bilderaus Palästina (Trietsch), von Lucie Kober; Geographie Palästinas und Erinnerungen, von Assessor Dr. Badt; Sexualprobleme, von Dr. Pinczower. Außerdem veranstalten wir alle 14 Tage gemütliche Heimnachmittage. Am 8. Januar lud die Soldatenriegc die jüdischen Soldaten der Garnison tu einer zweiten Versammlu ng, diesmal ernsteren Charakters ein. Es handelte sich um eine Aussprache über unser Verhältnis zum jüdis:hen Volk. In packenden Worten schilderten die beiden Referenten, Oberarzt Dr. Rosenbaum und Feldwebel Markus, das zionistische Ideal. Eine Diskussion schloß sich diesen beiden Referaten an. Auch dieser Abend brachte uns eine Anzahl neuer Mitglieder. Es wäre noch zu erwähnen die.Veranstaltung von Turnfahrten und Turnmärschen, die z. T. eine re«e Beteiligung aufwiesen. Jetzt planen wir die Neubildung von Schülefabteilungen und die Abhaltung eines Vorturnerinnenkursus. — Wir hoffen, daß, sobald nur eine Halle wieder zur Benutzung freigegeben wird, auch ein erneutes Aufblühen unseres Vereins kommen wird." 18 ------------