Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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eines jüdischen Volksheims faßten, vermögen diesen Ideengängen nicht zu folgen. Gewiß, es gibt kein jüdischer und jüdisch. Jeder Jude trägt in sich vollinhaltlich den Kern: Jude. Denn wenn jemand ganz jüdisch und ein anderer weniger jüdisch wäre, so kann ich diesen mir nur als halb jüdisch vorstellen. Ein verkleinertes verquetschtes Judentum könnte sich vollauswachsen, zu einen halben Juden kann man nimmer eine zweite Hälfte kitten. Dabei ist gewißlich auch der Ausdruck „entjudeta falsch. Wir alle sind volljüdisch, aber — im Gegensatz zu entjudet hinzugekommen ist ungemein viel Fremdes. Fremde Schleier sind uns angeflogen, Mörtel deutschen, französischen etc. Wesens, die uns verunreinigt, unser Jüdischsein verwässert haben. Wir geben zu, daß auch das östliche Judentum nicht mehr ganz unbeschmutzt ist, gleichviel ob seit der Diasporazeit überhaupt oder seit fünfzig Jahren, aber es ist um vieles reiner als das unsere, zutatloser als dieses. Wir sagten vorher, jeder Mensch müsse es sein — für uns — müsse Jude sein. Die Erfüllung dieser Forderung erhoffen wir von dem Zusammenleben mit dem Ostjudentum. Das unbeschmutztere Judentum wird die verwandten Seiten in uns anklingen lassen, was uns gemeinsam ist, wird es herauskristallisieren, währenddie Schleier, die verschiedenen Fremdteile feindlich aufeinanderstoßen. Auch in einer Gemeinschaft von beispielsweise lediglich Berliner Juden wird das gleiche jüdische einander zum Tönen bringen, wird verstärkt werden, im selben Maße aber wird das ihnen gleiche Deutsche, Berlinische sich berühren und potenzieren. Sicherlich, um die gemeinsame jüdische Linie empfindsamer herauszufühlen, müßten sich die extremen Schichten durcheinanderbringen, wüßten wir im Volksheim asiatische, afrikanische, amerikanische, türkische und westliche Juden vereinen. Zunächst jedoch wird man die vorhandenen Möglichkeiten benutzen und sich mit Freude dort ansiedeln, wo uns das unverwischteste jüdische Wesen lebendig zu pulsieren scheint. Jüdisches ..esen> jüdisches Leben zu suchen ist unsere Sache. So greifen wir unseres "Jüdisch" an. Wir erraffen nicht Hebräisch, wir wälzen nicht historische Probleme, wir vertiefen uns nicht in die Religion, wie man etwa zur buddhistischen Lehre sich neigt. Das Jüdischeist uns nicht Gegenstand einer Wissenschaft, sondern ist Leben. In die alten und von den östlichen Brüdern gegebenen Traditionen wollen wir anderen Odem hineintragen. Die Feste werden wieder Volksfeste sein. Das Purim nicht lediglich das Fest der Schule, der Gebete, sondern das volkstümliche Maskenfest, das die ganze Kolonie in übermütiger Freude mitfeiert. Das Chanuka wird wieder über die Feierlichkeit des Lichter- Indens hinaus das Fest eines nationalen Sieges sein. , Mensch sein und es jüdisch sein, das ist die Parole des Volksheims. So ist seine Aufgabe der vorweggenommene Versuch eines vorgestellten Gemeinwesens in Erez Israel, das Abbild eines jüdischen Staates «n Kleinen. Danach scheint uns das Volksheim nicht mehr als ein Mittel, sondern das Mittel zur Verwirklichung der jüdischen Volksidee, aus dem al.c anderen wie Turnen, Lernen, Gesang, Wandern ausstrahlen, und seine letze violusarbeit wird es in der Tat sein,Uber den Rahmen einer Straßenviertelkolonie hinaus zu einer selbständigen großen unabhängigen Gemeinde herauszuwachsen, mit eignen Schulen, Theatern, Turnvereinen etc. etc. 2 1-