Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein nach diesen Grundsätzen durchgeführter Betrieb stellt einen Versuch dar, der in der Praxis bisher noch nicht erprobt ist. Demnach darf ich wohl sagen, daß sein Gelingen nur von dem gu en Willen und der Fähigkeit der Vorturner abhängen wird. _ Leo Kaminski. Waldlauf. Sehr bedauerlich ist es, daß gerade sportliche Uebungen, die man zu den schönsten und besten rechnen muß, nur von den wenigsten gekannt und geübt werden. Der Waldlauf, eine der kurzweiligsten und zweckmäßigsten Uebungen, hat in unseren Kreisen noch längst nicht die Verbreitung und Würdigung gefunden, die ihm eigentlich zusteht. Es ist eine Lust, durch den Wald zu laufen, wenn der Herbstwind irisch durch das leichte Sportgewand weht, wenn die schneebedeckte Erde uns ihr winterliches Kleid bietet und wenn die ersten Zeichen des nahenden Frühlings sich einstellen. Ein Gefühl der Kraft, des Sieges durchrieselt uns, wenn wir so dahineilen, keinen Busch, keinen Graben scheuend, und unsere Jugendkraft nach Herzenslust austoben. Unvergleichlich sind die Abende, die man im Walde in der Dunkelheit verlebt. Gerade sie gibt dem Waldlauf sein eigentümlich-poetisches Gepräge. Ueberhaupt lernt man den Wald erst richtig in der Dunkelheit kennen. Der matte Schein des Mondes, das ernste, stille Schweigen der finsteren Nacht, dies alles übt seinen besonderen Reiz auf uns aus. Ganz und gar »tehen wir im Banne dieser Poesie. — Im Fluge eilen wir weiter, frei, selbständig, Herr über alles, was um uns ist; bald tauchen vor unseren Augen die gespenstisch-schattenhaften Umrisse eines Sees auf, doch schon sind sie wieder verschwunden, um einem andern Bilde Platz zu machen. Keine noch so schöne Wanderung kennt diesen Genuß, dieses Gefühl poetischer Stimmung gemischt mit dem Gefühl der Kraft und Ungebundenheit Man muß diese Waldlaufstimmung selbst gekostet haben, um unsere Begeisterung verstehen zu können. Man muß selbst den Waldlauf richtig kennen gelernt haben, um beurteilen zu können, wie er auf uns einwirkt. Keiner fühle sich zu schwach oder ungeeignet, keiner habe kleinliche Einwände, um sich um einen wahrhaft großen Genuß zu bringen. Einige technische Bemerkungen mögen hier noch Platz finden, Man stelle die Teilnehmer in etwa gleich starke und leistungsfähige Gruppen zusammen, um jede Ueberanstrengung auszuschalten. Hat man e«"st einige Waldläufe gemacht, so merkt man, welche Kräfte er verleiht und ro&n wird sehen, daß man bedeutend mehr leisten kann, als man sich eigentlich zugetraut hat. Selbst ein Sprinter, also^ ein typischer Kurzstreckenläufer, der auf der Bahn keine längere Strecke vertragen kann, wird finden, daß ein Waldlauf von 3 — 5 km seinen Anlagen durchaus |ugute kommt Ebenso wie jedem Leichtathleten wird dem Ruderer, dem «chneeschuh- und Schlittschuhläufer wie überhaupt jedem Sportsmann der Waldlauf eine willkommene Ergänzung zu seinem Spezialgebiet sein. Sonstige Schwierigkeiten werden wohl auch Uberall leicht zu überwinden sein. In allen Städten befinden sich in der Nähe des Waldes Wirtschaften d'e sich als Umkleidelokale eignen. 2 13