Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 2 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492385-5965061-5965383--053-4922841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
stattfinden, unerläßlich. Das Verantwortlichkeitsgefühl des Vorturners muß noch dadurch gehoben werden, daß dem Vorturner ein bestimmender Einfluß auf die Gestaltung des Riegenturnens eingeräumt wird. Es muß unbedingt erzielt werden, daß die Vorturner sich zu jedem Turnabend gründlich vorbereiten. Bei Durchführung dieser Grundsätze wird die größte Schwierigkeit die Auswahl der Vorturner bieten. In jeder Abteilung werden sich aber wohl einige ideal gesinnte und pädagogisch befähigte Mitglieder finden, die den guten Willen haben, der jüdischen Turnbewegung zu dienen. Diese Leute technisch auszubilden, wäre Aufgabe des Vereins bezw. des Deutschen Kreises der Jüdischen Turnerschaft Umgekehrt, gute Turner, die den oben gestellten Forderungen nicht genügen, etwa ausbilden zu wollen, halte ich für gänzlich zwecklos, denn das Technische ist, mit Ausnahme der ersten Riegen vielleicht, für jeden gesunden jungen Menschen erlernbar, jene anderen geforderten Eigenschaften dagegen nicht. Dieser Gesichtspunkt sollte auch bei der Auswahl der Turner zu den in größeren Vereinen regelmäßig stattfindenden Vorturnerkursen eingehende Berücksichtigung finden. Der praktische Betrieb nach diesen Grundsätzen würde sich etwa folgendermaßen gestalten. Nachdem sich die Turner für die ihnen zusagende, Gruppe der Leibesübungen entschieden haben und eine Einteilung innerhalb der Züge nach Fertigkeit vorgenommen worden ist, sucht der Vorturner mit seinen Riegenmitgliedern innerhalb und außerhalb des Turnbodens in engster Fühlung zu bleiben. Er muß einen starken Riegenehrgeiz erwecken, bei allen Veranstaltungen als erste vollzählig am Platze zu sein und überall vorbildlich zu wirken. Sobald die Riege auf dem Turnboden versammelt ist, beginnt der Vorturner mit dem Riegenturnen. Die Geräteordnung hierzu wird jeden Monat von Vorturnern und Turnwart gemeinsam ausgearbeitet, damit nicht ein toter Schematismus das Ganze beherrscht. Hierbei wird im Voraus für jede Riege die Zahl der jeweils jeden Abend durchzuturnenden Geräte festgestellt. Von einer grundsätzlichen Festlegung dieser Zahl und der hierfür zur Verfügung stehenden Zeit muß abgesehen werden, da erstens die Riegen nicht immer gleich stark sind und zweitens manche Geräte wie z. B. Ringe bedeutend längere Zeit zum Durchturnen erfordern als andere (z. B. Bock, Hochspringen usw.) An diesen Geräten würde das Interesse bald erlahmen, an jenen wäre die Ausbildung unzureichend. Das Riegentumen kann entweder in der Form eines riegenweisen Kürturnens'an den durch die Geräteordnung festgesetzten Geräten oder als Riegenturnen im eigentlichen Sinne ausgeführt werden. Bei ersterem muß der Vorturner jedem Turner seiner Riege individuell neue Anregung geben, neue Uebungen zeigen, alte Fehler ausmerzen und Lücken im Können ausfüllen. Bei letzterem läßt der Vorturner vorher ausgearbeitete Uebungsiolgen von der ganzen Riege im Interesse einer gleichmäßigen Ausbildung durchturnen. Das Riegenturnen soll den größeren Teil der Turnstunde in Anspruch nehmen. Dann faßt der Turnwart die gesamte Abteilung unter seinem Kommando zusammen, läßt nach kurzen Ordnungsübungen ein Lied singen und schließt den Turnabend durch Frei- oder Stabübungen, die den gesamten Körper gut durcharbeiten müssen. 12