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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 2 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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fehlen. Wir sind daher im wesentlichen auf .den Hallen betrieb angewiesen. Im Hallenbetriebe hat aber bisher überall das Kunstturnen die führende Rolle gespielt. Nun ist das Kunstturnen zwar zweifellos für die körperlich dazu veranlagten und befähigten Turner ein unseren Zwecken hervorragend dienliches Mittel, jedoch müssen wir, wenn wir breite Massen der deutschen Juden zu uns bringen wollen, das volkstümliche Turnprogramm und die sportlichen Uebungen in weitem Maße in unseren Hallenbetrieb, aufnehmen weit diese auf Neulinge eine viel größereAnziehungskraft ausüben. Es ist ein alter Fehler, daß bei unseren Schauturnen stets möglichst hohe Leistungen im Kunstturnen gezeigt werden, ohne durch einfache, von jedem gesunden Menschen ausführbare volkstümliche Uebungen ein Gegengewicht zu erhalten. Anfänger werden durch Gipfelübungen eher abgeschreckt als angezogen. Wenn man nach einem solchen Schauturnen Außenstehende zum Eintritt auffordert, so hört man meist: „Das werde ich ja nie lernen, da blamiere ich mich ja nurl" Einfache, leicht ausführbare Uebungen hingegen erwecken in gesunden Menschen einen Nachahmungsreiz. Die volkstümlichen Uebungen sind hierfür besonders gut geeignet. Die Uebernahme der verschiedenen Zweige des volkstümlichen Turnens in den Rahmen unseres Hallenbetriebes soll verbunden sein mit der Bildung besonderer Züge für die einzelnen Gruppen der Leibesübungen. Die Männer- und die reiferen Jugendturner können sich ihren Neigungen und körperlichen Veranlagungen entsprechend für einen dieser Züge entscheiden, müssen dann aber bis zur nächsfen Wahl, die etwa alle 3 Monate vorgenommen werden könnte, in demselben verbleiben. Zu bilden wären nach Bedürfnis Züge für Kunstturnen, volkstümliches Turnen, Ringen, Boxen, Fechten, u. a. m. Die Gruppierung innerhalb der Züge erfolgt in Riegen nach Fertigkeit. Damit rücken wir von dem in der Deutschen Turnerschaft herrschenden prundsatz der unifo rmen Ausbildung bewußt ab und erreichen eine dem jüdischen Geiste mehr zusagende Differenzierung. Aufgabe des Turnwartes wird es sein, darauf zu achten, daß nirgends eine der allseitigen Körperausbildung schädliche Spezialisierung eintritt. Dadurch, daß jeder sich seinen besonderen Neigungen entsprechend betätigen kann, wird aber der Betrieb lebendiger und anziehender werden. Die Vorturner werden m ihren beschränkteren Gebieten eher eine sachgemäße und systematische Ausbildung erteilen können. Eine andere wesentliche Aenderung, die mir unbedingt notwendig er8cheint, ist die bewußte Verlegung des Schwerpunktes der Erziebungsarbeit vom Turnwart auf den Vorturner. Die wichtigste Frage für unseren zukünftigen Betrieb ist die Erziehung und Ausbildung innerhalb der Riege. j.on. ,^.r h8"§* namentlich die nationaljüdische Durchdringung ab, ohne die die jüdische Turnbewegung ihre Aufgabe verfehlt hat. Mit dem System der vjfclegenheitsvorturner muß endgültig gebrochen werden. Es darf nicht mehr sein, daß heute dieser und morgen jener Vorturner der Riege voraT*' ^er Vorturner muß mit seiner Riege völlig verwachsen, sodaß eine hl T°n **e')en8gerne'n8chaft entsteht. Besonders gilt dies für die Jugendabteüungen. Nur auf diese Weise ist eine systematische Erziehungsarbeit «ui körperlichem wie geistigem Gebiete möglich. Zur Förderung des Zu - sammenhanges der Riege sind Riegenturnfahrten und Riegenheimabende, Q>e am besten abwechselnd in den Wohnungen der einzelnen Mitglieder 2 11

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