Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 1 (1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
1 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492385-5965061-5965382--034-4922823
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

an allen Fronten war jüdisches Blut in Strömen geflossen und jetzt, nach der Gründung der einzelnen neuen Staaten, sollten die Juden, getrennt (Kirch die Mauer neuerrichteter Grenzen, hier als Deutsche, dort als Polen oder Tschechen weiterleben und weiter ihr Volkstum verleugnen? Die Erbitterung über eine solche Möglichkeit bemächtigte sich vieler jüdischer Soldaten und war der Anstoß zu der vom jüdischen Nationalrat einberufenen und am 2. November 1918 im „Bayrischen Hof abgehaltenen Versammlung jüdischer Soldaten. Wer dieser Versammlung beigewohnt hat weiß, welcher Geist die Tausende beseelte, die dicht zusammengepreßt im Saale standen. Die vom Staatsbahnrat Ing. Stricker geleitete Versammlung tat den über alle Erwartungen hinausgehenden nationalen Geist der jüdischen Soldaten kund und fand ihren Höhepunkt in der begeisterten Annahme der Resolution, in der die Aner ken nu ng der Nationalität, Zuerkennung nationaler Minderheitsrechte sowie Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina gefordert wird. Der von der Versammlung gewählte Exekutivausschußjüdischer Soldaten begann sofort im Einvernehmen mit dem jüdischen Nationalrate, dem sich die jüdischen Soldaten alle bedingungslos unterwarfen, Verhandlungen mit der Regierung über den Eintritt der Juden in das zu bildende deutsch-österreichische Heer als geschlossene Formation, ungefähr als jüdische Bataillone unter den Bedingungen der Resolution vom 2. November 1918, einzuleiten. Während dieser Verhandlungen hatte indessen die Polizeidirektion Wien die Stadtschutzwache ins Leben gerufen und war bereit, die Jüdische Selbstwehr als einen selbständigen Teil derselben, als „jüdische Gruppe der Wiener Stadtschutzwache" anzuerkennen und übertrug dieser auch sofort die Ueberwachung des Nordbahnhofes und den Schutz der judenreichsten Wiener Bezirke, der Leopoldstadt und der Brigittenau. Da eine Organisation der jüdischen Soldaten auf rein militärischer Basis vor der Antwort der Regierung unmöglich war und diese trotz wiederholter mündlich gegebener Zusagen Dr. Matajas und des Staatssekretärs Mayer bis zu der im Plenum der Nationalversammlung zur Beratung gelangenden Ausarbeitung des neuen Wehrgesetzes vertagt wurde, wurde beschlossen, diese Organisation im Rahmen der Selbstwehr durchzuführen und diese solcher Art zu „militarisieren," während die Nichtsoldaten in eine Zivildienstkompagnie übergeleitet werden sollten.. Diese Reform wurde seitens des inzwischen offizell konstituierten jüdischen Nationalrates den Herren Dr. Bernfeld und Kreisturnwart Dr. Taglicht einerseits und Dr. Reik andrerseits anvertraut und raschest in Angriff genommen, wobei dem gewähten Exekutivausschuß eine überwachende Rolle zugedacht wurde. Die rein militärische Leitung, die ganz von den Beschlüssen des jüdischen Nationalrates abhängt, wurde Major Löwenstein und die Ausarbeitungen und Einteilung des ärztlichen und Sanitätsdienstes Stabsarzt Dr Meyer im Vereine mit Dr. Taglicht und Oberarzt Dr. Wilheim überantwortet Der Abschub der Zivilisten aus der Selbstwehr führte nun zu einer großzügigen von Dr. Taglicht inituierten und vom jüdischen Nationalrat gebilligten Aktion, welche für die gesamte jüdische Turn- und Sportbewegung von ganz kolossaler Bedeutung ist 10 ' *22/

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.