Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 19 (1918)
- Issue
- [o. Nr.] (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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äus diesen Verhältnissen werden soll, und mit Schrecken denken die Juden des deutschen Ostens daran, daß sie in die Hölle Polens hineingezerrt werden könnten. Die Hölle Polens, aus deren von Judenblut getränktem Boden die Brandruinen der Lern b e rge r Ghetto entsetzenvoll zum Himmel starren. Wahrlich, in der blutroten Geschichte unseres Volkes gibt es kaum eine Zeit, schrecklicher denn diese. Wir anderen aber wollen vor aller Welt unsere Stimme erheben und Klage gegen das polnische Volk ausrufen, wenn es, in seinem wirtschaftlichen Umformungsprozeß, unfähig, auf dem Wege der Ordnung zu neuen Zielen zu gelangen, dem jüdischen Konkurrenten mit den Waffen der Gewalt an Leib und Leben geht. Die gemeinsame Stimme alles jüdischen Blutes wird und muß Wunder wirken. Schon hat das Au s wärtige Amt des Britischen Re iches hinübergerufen daß solch wahnwitziges Treiben nicht ohne schwere Folgen für daß polnische Volk sein werde. Und wir harren und hoffen, daß auch das mächtige Reich der Freiheit jenseits des Ozeans seine starke Hand schützend über den Rest unseres Volkes halten wird. Wir hoffen endlich, das unsere vom Untergang bedrohten Brüdern zu einer Organisation der Selbstwehr gelangen, die ihnen für die nächste Zeit des Lebens sichert; Sorge des ganzen jüdischen Volkes wird es sein, zu bedenken, was nachher geschehen soll. Schon gehen unsere österreichischen Brüder mit dem Beispiel des Mutes.und der Entschlossenheit voran. Der jüdische Natioralrat in Wien und Prag, die jüdische Nationalgarde in Wien, die die Stadt vor Plünderung und Verbrechen schützt, sie zeigen, wie der Weg unseres Volkes in den Ländern des Ostens gezeichnet ist. Die Stunde der Erfüllung für unser Volkstum naht, aber sie ist nicht zugleich die Erfüllung für alle Glieder unseres Volkes. Und so hat die Zionistische Weltorganisation, der „Oberste Jüdische Nationalrat", mit Recht als jüdisches Friedensziel außer der Palästinaforderung d e Sicherung der Existenz unseres Volkes in allen Ländern auf seine Fahne geschrieben. Folgendes sind die - Kriegsziele des jüdischen Volkes: Die Festsetzung Palästinas in den durch die geschichtliche Ueberlieferung und durch politische wie wirtschaftliche Notwendigkeiten bestimmten Grenzen als völkische Heimstätte des jüdischen Volkes sowie die Schaffung der für den ungehinderten Aufbau dieser Heimstätten notwendigen Vorbedingungen. Die volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern. Völkische Selbstverwaltung auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkerung der Länder mit jüdischer Massensiedlung sowie aller anderen Länder, falls deren jüdische Bevölkerung Anspruch auf sie erhebt. Wenn der Weltfriedenskongreß diese Forderungen erfüllt, dann ist für unser Volk nach langem Harren ein großes Stück der Erfüllung gekommen. M. 14