Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1918-01-01 · [o. Nr.] (1918) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
19 (1918)
Issue
[o. Nr.] (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6492385-9367557-5965380--015-4922802
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ausfallen, weil zu viel zu reden war. Äu:h regnete es in Strömen. Aber bei allem Erust war die Stimmung schließlich durchaus hoffnungsvoll, und, was mehr wert ist, entschlossen. Es ist jedem klar, daß die jüdische Jugend Deutschlands ihre Pflicht tun wird, wenn jetzt, in wenigen Monaten vielleicht schon, die Tore Palästinas aufgehen werden. Wir stehen vor dem ungeheuerlichen Augenblick, wo ein Traum der Erfüllung nahe scheint, der unsagbar lange Zeit nichts war als eine Sehnsucht. Wir sind das Geschlecht, das damit begnadet ist, das Wunder dieser Erneuerung zu erleben. In unseren Tagen, in diesen Tagen kann es sich ereignen, wird es sich ereignen, daß das dritte jüdische Reich anhebt. Es lebt ein still verhaltener Jubel in unserer Jugend, und die V ranwortung. die sie breit und schwer empfindet, drückt sie nicht zu Boden. Aber es ist keine Zeit, zu scherzen und zu spielen. Die Jugend ist zur Tat entschlossen, ganz ernst, ganz gerichtet und schon tief innerlich glücklich in der Gewißheit des Sieges. Ernst Pinner. Die Stunde. Für das jüdische Volk ist eine große Stunde gekommen Der Weltkrieg is zu Ende, der Friedenskongreß, der von allen Menschenkindern so lang und heiß ersehnte, öffnet seine Pforten. Viele Völker harren des Augenblicks, da er ihnen ihr staatliches Leben schenken wird. Und unter den Völkern «er Erde, die zum ersten Male nach unendlich langer Zeit wieder in den Besitz ihrer nationalen Heimstätte kommen sollen, sind wir Juden. Alle großen Mächte haben es uns zugesagt England, Frankreich und Italien haben es versprochen, Amerikas Präsident hat seine herzlichsten Sympathien gegeben, auch Deutschland, hat vor der Revolution seine Billigung ausgesprochen. Amerikas Sympathien sind uns besonders wertvoll. Das Reich des Sternenbanners wird bei der Regelung der orientalischen Frage mehr noch als die anderen Ententemächte von ideellen Motiven bewegt, weil ein eigenes territoriales Interesse dieser Nation im vorderen Asien fehlt. Umso wertvoller ist uns der herzliche Brief des Präsidenten Wilson an den Rabbi Wise, umso mehr freuen wir uns der freundlichen Worte des Expräsidenten Roosevelt, umso mehr bedeutet uns die Erklärung des Marineministers Daniels, daß sich die Regierung der Vereinigten Staaten beim Friedensschluß mit aller Energie der Interessen der Jüdischen Nation annehmen werde. Wenn Herr Daniels allgemein von dem Schicksal der jüdischen Nation spricht, so hoffen wir, daß er die Lage unseres Volkes in allen seinen Gliedern meint, auch in jenen Ländern, wo es, durch eine unglückselige Vermischung mit anderen Völkern, in fürchterliche Verhältnisse geraten ist. In ganz Osteuropa ist das jüdische Volk in sehr trauriger Lage. Entsetzlich aber ist die Situation in P olen geworden. Von all den altjungen Völkern des Ostens ist das polnische das roheste und unduldsamste. So •urchtbar war nicht einfnal die Lage der Juden in Rumänien, wo man ihnen 2war die staatsbürgerliehen Rechte vorbehielt, sie jedoch nicht in ständiger {T0gromfurcht leben mußten; und selbst in Rußland war es die reaktionäre Kegierung, nicht das Volk, das uns haßte. In Polen ist der wildeste Anti- Semitismus in alle Schichten des Volkes gedrungen. Niemand weiß, was 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.