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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1918-01-01 · [o. Nr.] (1918) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
19 (1918)
Issue
[o. Nr.] (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mitglied nach und nach mit den jüdischen Gegenwarts- und Zukuntsfragen eindringlich vertraut wird und ein brennendes persönliches Interesse am Schicksal des jüdischen Volkes betätigt, zumal in der augenblicklichen, für unser Volk entscheidenden Stunde. Gleichgültige Kiemente, welche diesen Bestrebungen aktiven oder passiven Widerstand entgegenbiingen, werden auf die Dauer nicht vertragen werden können. Ein Nationaljude, der sein Nationaljudentum in diesem Sinne versteht, wird zum Zionismus kommen müssen, nicht nur in der theoretischen Erkenntnis, sondern auch in seiner praktischen Betätigung. In welcher anderen Richtung als in dieser könnte er sonst seine Anteilnahme zum Ausdruck bringen? Eine Betätigung jüdischen Interesses aber muß von jedem verlangt werden. Das Wort Nationaljudentum aber darf unter keinen Umständen den Vor wand für Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit am jüdischen Geschick abgeben- Ein praktischer Unterschied zwischen dem, was wir als National-Judui und dem, was wir als Zionisten in unserem Turnverein zu tun haben, ist daher nicht denkbar. Ausgehend von der Aufgabe der Turnerschaft als Erziehungs-Organisation ist das Schwergewicht in der Vereinsleitung auf die Schüler- und Jugendabteilungen zu legen. Dies gilt nicht nur für die Kriegs-, sondern auch für die kommende Friedenszeit. So sehr auch die Ereignisse draußen uns an einer ruhigen Arbeit innerlich und äußerlich hindern, so muß doch jetzt überall angefangen werden, die Friedensarbeit mit Energie in Angriff zu nehmen; wir haben keine Zeit zu verlieren. Keinen Verein darf es in der jüdischen Turnerschaft geben, dem die Schüler- und Jugendabteilung fehlt. Zur Führung einer solchen genügt ein einziger tüchtiger Mensch. Nicht mehr ist erforderlich, nicht einmal eine Turnhalle, denn im Notfalle kann man sich allein auf den Sport werfen. Laufen, Springen, Spielen und Wandern kann man überall auf Gottes Erdboden. Die jüdische Jugend Deutschlands ist heute so empfänglich für unsere Bestrebungen, und die Idee jüdischen Gemeinschaftslebens ist eine so zündende, daß es nicht schwer fallen kann, in jeder Gemeinde die Jugend für uns zu gewinnen. Auch neben dem Blau-Weiß besteht für unsere Arbeit noch hinreichende Wirkungsmöglichkeit. In unseren |ugeiidabteilungen muß jungjüdisches Gemeinschaftsleben, körperliches Streben und jüdische Stimmung herrschen. Als äußere Methode wird zu diesem Zweck scharfe Disziplin. Erscheinungszwang, Strafen für unentschuldigtes Fehlen, rücksichtslose Ausschaltung aller ungeeigneten Elemente, aufmerksame Kontrolle der Fortschritte jedes einzelnen in turnerischer und jüdischer Hinsicht nötig sein- Nicht einem militärischen Zwange reden wir das Wort, aber die Jugend will hart angefaßt sein und wenn der gerechte Geist herrscht, so unterwirft sie sich mit Freuden jeder Disziplin. Die Hauptarbeit fällt nicht auf die Abende der Wochentage, sondern auf den Sonntag. Unsere Jungen und Mädchen müssen daran gewöhnt werden, den Sonntag auf dem Sportplatz oder auf der Wanderfahrt ihrem körperlichen Judentum zu widmen und zwar obligatorisch. Zur Durchführung dieser Arbeit ist erforderlich, daß der Leiter der Abteilung sich aus geeigneten, vorbildlich wirkenden Mitgliedern Unterstützung heranzieht. Es muß erreicht werden, daß der Vorturner w ein persönliches Verhältnis zu den Mitgliedern seiner Riege tritt, daß er eine innere Anteilnahme an ihrer körperlichen und jüdischen Entwickelung gewinnt. Der Blau-Weiß geht in vieler Beziehung andere Wege 4

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