Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1918-01-01 · [o. Nr.] (1918) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
19 (1918)
Issue
[o. Nr.] (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492385-9367557-5965380--005-4922792
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE TURNu. SPORTZEITUNG Organ des Deutschen Kreises der jüdischen Turnerschaft. Der Tarntag. Der jüdische Jugendtag gab auch uns Turnern und Sportsleutcn Gelegenheit, auf dem zweiten Kriegsturntag uns über die Wege unserer Arbeit neue Klarheit zu verschaffen. Die „Jüdische Turnerschaft" ist durch den- Krieg zweifellos am schwersten von allen Jugendorganisatinnen betroffen. Sämtliche Mitglieder der Turnvereine, bis auf wenige Ausnahmen, wurden nach und nach eingezogen. Nachdem anfangs versucht worden war, den Zusammenhang aufgeht zu erhalten, brach die Organisation der Turnerschaft in der Folge vollständig zusammen. Die Einstellung der Turnzeitung war der weithin sichtbare Ausdruck dieses Zustandes. Daß es nicht möglich war, die Arbeit der Turnvereine im Kriege aufrecht zu erhalten, hat uns eine herbe Kritik von Seiten anderer Organisationen nicht erspart. Man hatte in der Friedenszeit den Wert der Schüler- und Jugendabteilungen nicht hinreichend betont und hat es auch im Verlauf des Krieges nicht verstanden, sich hierauf umzustellen. Der erste Kriegsturntag bot deshalb ein sehr niederdrückendes Bild. Die Ursache des Tiefstandes wurde nun von gewisser Seite in dem nur national-jüdischen, nicht partei-zionistischen Programm gefunden. Deswegen wurde dem zweiten Tuintage die Annahme des partei-zionistischen Programms empfohlen, indem man davon ausging, daß das nur nationaljüdische Programm die Turnerschaft mit einer Menge indifferenter Elemente belaste, welche die jüdische Arbeit nur hemmten und eine einheitliche jüdische Stimmung nicht aufkommen ließen. Diese auf der Tagung insbesondere von Herrn Dr. Tuch bekämpfte Anschauung fand nicht die Zustimmung des Turntags. Er hielt daran fest, daß die Partei-Politik nicht Aufgabe der Turnerschaft sei und daß es auch aus taktischen Gründen nicht ratsam sei, neue Mitglieder, die unsere Art erst kennen lernen sollen, auf ein programmatisches Bekenntnis festzulegen. Mit Recht wurde geltend gemacht, daß weder das Kartell jüdischer Verbindungen noch der Blau-Weiß ein solches programmatisches Bekenntnis von vornherein verlange. Einmütig aber wurde die Aufgabe der Turnerschaft als Erziehungs-Organisation anerkannt, mit dem Ziel, die jiidische Jugend körperlich, geistig und seelisch zu erfassen und im Sinne der Zukunftsaufgaben unseres Volkes zu bilden. Deshalb verlangen wir von unseren Mitgliedern keinerlei piogrammatisches Bekenntnis, aber wir müssen unter allen Umständen verlangen, daß jedes 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.