Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Fünfte Kriegsnummer (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492379-5965033-5965377--594-4922769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 No. 5 Gefahr, seine eigene nicht mehr zu verstehen und ist leicht dem Untergang preisgegeben. Wir müssen vorwärts, Schritt halten mit den ganz Jungen, die kräftig airsschreiten. Man ist immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, daß Nationaljudentum nichts Ganzes, nichts Abgeschlossenes bedeutet. Es ist nur der Anfang einer Gedamkenreihe. Wo nationales Leben zu voller Entfaltung kommen soll, da müssen auch alle Vorbedingungen erfüllt sein; da kann auf die wesentliche Grundlage, auf den nationalen heimatlichen Boden nicht verzichtet werden. Nationaljudentum ist nur die Vorstufe zum Zionismus. Es hat ohne diese Vollendung keinen rechten 'Sinn. Mit Halbheit als Mitte! kann man nie etwas Ganzes erreichen. Wenn man bei der Jugend Begeisterung wecken will, darf man das strahlende Ziel nicht verdunkeln, nur wei! es schwer zu erreichen ist. Man muß es spielen lassen in allen seinen Farbentönen. Das wird am besten die Kraft anspornen, ihm schließlich doch nahe zu kommen. Dem Gedanken darf sich auch unsere Bewegung nicht verschließen. Sie muß, wie andere es bereits getan haben, ihr Programm erweitern. Die Erziehung der turnenden jüdischen Jugend zum Zionismus, muß sie als ihre letzte Aufgaibe offen anerkennen. Im Grunde genommen hat sie schon immer danach gehandelt. Tumerschaft und Zionismus haben von jeher in engster Beziehung zu einander gestanden. Die Turnerschaft trat zum ersten Mal an die Oeffentlichkeft aus Anlaß eines Zionistenkongresses in Basel. Nachher ist wohl kaum noch ein Kongreß vorübergegangen, ohne daß die Turner als solche sich dabei gezeigt hätten. Und denen, die zuletzt in Wien mit dabei gewesen sind, leuchten noch heute die Augen, wenn sie davon erzählen. Es war vielleicht das schönste, eindrucksvollste Erlebnis in ihrer Tumerzeit. — — -r Im Führjahr 1913 wurde die national-jüdische Jugend zu einer Palästinas fahrt zusammengerufen. Da waren es wieder die Turner, die die Hauptzahl dazu stellten. War es ihnen doch gerade, als wenn alle Wanderungen hier im Lande nur die Bedeutung der Vorbereitung für diese eine langersehnte Fahrt in das gelobte und geliebte Land gehabt hätten. So könnten noch eine Reihe von Beispielen erbracht werden für die vorhergegangene Behauptung. Sie alle beweisen, daß das offene Bekenntnis zum Zionismus in der Tat keine innere Umwälzung für die Tumbes wegung bedeutet. Es ist nur eine gradlinige Vorwärtsbewegung »uf dem schon eingeschtagenen Weg, und dieser Schritt vorwärts muß gemacht werden. Auf das „Wie“ aber kommt es an. Es wäre sicher das Fehlerhafteste, wenn man nun ganz radikal vorging" und sagte: Nur Zionisten dürfen in unsero Vereinen aufgenommen werden. Wie bisher muß jedem unbescholtenen Juden, jeder unbescholtenen Jüdin der Eintritt möglich sein. Sie zu Nationaldenkenden und weiter zu Zionisten zu erziehen, ist unsere Aufgabe. Die muß auch in unseren Statuten Iflar zum Ausdruck kommen, und sollten sich noeii so viele dagegen wehren. Die Befürchtung, daß wir dann aufhörten, eine Vereinigung der Massen zu sein, ist unbegründet. Wen der Begriff Nationaljudentum nicht stört, der wird auch vor dem Inhalt des Wortes Zionismus nicht zurückschrecken. Und sollte es dennnoch der Fall sein: Sehen wir doch klar! Die laxen Mitläufer haben unseren Bestrebungen bisher immer mehr geschadet als genützt. Eine andere, viel schlimmere Befürchtung Hegt vor, wenn wir es verweigern, die alten Grenzen zu überschreiten. Ich bin sicher, unsere Besten gehen uns verloren. Sie werden anderswo Gelegenheit suchen und finden, um Turnvereine in ihrem Sinne zu gründen, und sie werden