Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Fünfte Kriegsnummer (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11 No. 5 Turnerschaft und Zionismus. Von Johanna Thomaschewsky. Auf dem letzten Kreisturntag im November 1916 habe ich in einem Referat in großen Zügen dargefegt, wie ich mir die Stellung der Turnerschaft zum Zionismus denke, wenn ihr eine gedeihliche Ent' Wicklung gesichert sein soll. Ich weiß, daß diese Frage schon be: früheren Gelegenheiten zun Besprechung gekommen ist, aber immer bisher haben die Debatten darüber nur dem einen oder andern Anlaß zum Nachdenken gegeben, von nachhaltiger Wirkung, von entscheidender Bedeutung sind sie nicht gewesen. In den letzten Monaten Ist die Frage dringender geworden, wenigstens so weit ich die Sachlage übersehe. Die nationaljüdische Jugend arbeitet immer zielbewußter; sie will Klarheit um jeden Preis, für sich selbst Und nach außen hin. Zwei-, deutigkeiten irgendwelcher Art will sie nicht mehr dulden. Und nun wird auch die Turnerschaft zur Entscheidung gedrängt werden. Jetzt muß es sich herausstellen, ob sie zur Zusammenarbeit mit den anderen gewillt ist, oder ob es in Zukunft heißen soll: hie zionistische Jugendbewegung, hie Turnerschaft. Darum wird es nun nötig sein, sich in Tumerkreisen ernstlich darüber auszusprechen und Klärung zu schaffen. Der nationaljüdische Jugendtag steht nahe bevor, und wir müssen uns rüsten in der Vorhalle, ehe wir eintreten in den Saal. Aus dem Grunde will ich auch hier die weseptlichsten Gedanken meines vorhin erwähnten Referates noch einmal zusammenfassen und zur Diskussion stellen. In einigen Tatsachen ist es bereits überholt. Darauf werde ich an geeigneter Stelle noch hin weisen. Der national-jüdische Gedanke ist die Basis der Tumerschaft. Unsere jüdischen Turnvereine tragen keinen konfessionellen Charakter, sie sind auch nicht gegründet worden, um die Tumfreudigen vor kleinlichen antisemitischen Anfeindungen zu bewahren; sie haben ihr Vorbild in den deutschen .Turnvereinen, die durch die Ertüchtigung jder deutschen Jugend den deutschen Volksmut, die deutsche Volkskraft zu fördern gewiß sind. Als das Vaterland in höchster nationaler Not war, dä führte Jahn die Jungen hinaus, um ihnen durch Turnen und Sport zu den körperlichen und geistigen Kräften zu verhelfen, die zur Rettung nötig waren. Als die Degeneration, die Verweichlichung unter uns Juden immer gefahrdrohender wurde, da taten sich Männer, in denen das jüdische Nationalgefühl lebendig war, zusammen zur Gründung national-jüdischer Turnvereine, und wahrlich, sie haben Gutes erreicht Der Turner, der sich zuerst nur mühte, seinen persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen; der sich in etwas späterer Epoche schon bewußt wurde, durch seine Leistungen auch seinem Verein Ehre zu verschaffen, der kam bald zu dem stolzen Empfinden, daß er seinem jüdischen Volksnamen zu größerer Achtung verhelfe, wenn er im Wettkampf mit den andern besteht oder gar den Sieg davonträgt. So kamen viele, che vorher ganz abseits gelebt hatten, dem Judentum, wie wir es verstehen, immer näher und ganz nahe. Auf mancher Seite geht man zwar über die Erfolge der Turnerschaft mit Achselzucken hinweg. Sehr begreiflich! Was noch vor fünfzehn, noch vor zehn Jahren etwas Erstaunliches war, es ist inzwischen zu etwas Selbstverständlichem geworden, das nicht mehr geschätzt wird. Aber mit diesem Bewußtsein sollen und dürfen wir uns nicht zufrieden geben. Wer sich auf den Loibeeren einer vergangenen Zeit ausruht, ist in