Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Fünfte Kriegsnummer (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 No 5 ,,Man hatte unseren Inhalt etwas zu einseitig vom Standpunkt der Volkshygiene gesehen und die Ziele unserer national-jüdischen Jugenderziehung gar zu stiefmütterlich behandelt“ schreibt Unna. Ich habe nie etwas Verkehrteres über unsere Ziele gelesen. Niemals war unser Ziel die körperliche Regeneration unseres Volkes. Der Sinn und Zweck unserer Turnerschaft ist einzig und allein die Erziehung der jüdischen Jugend in nationalem Geiste. War es von Anfang an und wird es immer bleiben. Das Turnen war uns stets nur ein Mittel zum Zweck Auf dem Turnboden sollten in unserer Jugend die allgemein-menschlichen Tugenden wieder erweckt werden, die in unserem Stamme ir Jahrhunderten der Unterdrückung eingeschlummert waren. Die Tugenden eines Bar Kochba, eines Juda Makkabi, deren Namen ein großer Teil unserer Vereine — nicht zufällig sondern als ein Banner — trägt: Mut, Entschlossenheit und Tatkraft, die Hingabe unserer Person an die gemeinsame Sache einer größeren Gemeinschaft. Wenn wir diese Gemeinschaft eine jüdische sein ließen, als jüdisch auch nach außen hin kennzeichneten, so taten wir das nicht, obwohl uns daraus Schwierigkeiten und Anfeindungen erwuchsen, sondern weil dies geschehen mußte. Jetzt mußten wir zeigen, daß alles Lachen und Spotten über jüdische Schwäche, jüdische Feigheit und Angst leeres Gerede war — wenn wir nur wollten. Die Kräfte, die uns das Turnen lehrte, galt es jetzt in frisch-fröhlichem Kampfe zu üben für unsere „Jüdische Turnerschaft.“ Für ihr Dasein, ihre Ehre, ihren Ruhm. Und wie das Ansehen, das wir uns als Turner- und Sportsleute erwarben, so wuchs unser Stolz darauf, daß es uns als Juden gezollt, Wurde. Wir gewannen Vertrauen zu jüdischer Kraft, jüdischer Stärke, jüdischem Können. Und das, was da in unserer Jugend heranwuchs, war echtestes jüdisches Nationalgefühl: Stolz auf die Kräfte, die in unserem Volke leben. Dieses Nationalgefühl in unserer Jugend zu erwecken, ist unser Ziel. Bis hierher geht die Aufgabe unserer Turnerschaft. Keinen Schritt weiter! Es ist selbstverständlich, daß wir auch nach innen unseren jüidi- •chen Charakter betonten, durch jüdische Sprach1- und Geschichtskurse, jüdische Feste, die wir mit der Geschichte unseres Volkes verknüpfen usw. In manchem Reiferen mag schon der Wunsch geweckt worden sein, der Welt zu zeigen, daß wir auch als Volk im eigenen Lande den edelsten der Völker der Erde ebenbürtig an die Seite treten könnten. Er wird seinen Weg zum Zionismus gefunden haben. Ihm diesen Weg zu führen, ist nicht unsere Aufgabe, denn wir sind keine Zionisten. Wer unser Ziel und unser Streben anders sieht, als ich es hier darstellte, der hat den Ernst unserer jüdisch-nationalen Arbeit nie empfunden, ist blind an alP den schönen und herrlichen Aufgaben, die uns unser Programm stellt, vorbei gegangen. Ihm mag es notwendig erscheinen, dieses Programm zu intensivieren. Wir aber, die wir genau wissen, was wir wollen, halten an unserem bewährten alten Arbeitsplan fest. Unsere jüdische Arbeit leisten wir auf dem Turnboden, auf dem Sportplatz, im Ruderboot. Es ist wertvollste nationale Jugenderziehung, wie sie keine andere — auch keine zionistische Organisation leistet. Man störe uns in dieser Arbeit nicht. Sie wird uns ohnedies nach dem Kriege schwer genug werden.