Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 No 4. statieren, daß der Beweis des Herrn Lenz vorerst lückenhaft und wenig stichhaltig ist. Gerade das Gegenteil könnten wir spielend beweisen, wie nämlich in allen ausländischen Ländern und nicht zum mindesten der Entente die Juden für die Friedensidee, den Ausgleich der Völker, für eine Annäherung an Deutschland etc., wirkten. Außerdem erkennt Lenz selbst, daß es oei Mischlingen schwierig ist, ihre Erbmasse zu bestimmen. Wenn er trotzdem Herrn Northcliffe, dessen Judentum de facto bestimmt nicht besteht und dessen einer Großvater lediglich nach antisemitischen Ansichten ein Jude gewesen sein „müsse“, weil jede ihnen unsympathische Person, vom König von Montenegro angefangen, bekanntlich von Juden abstammt, als den Typ des Hetzpressejuden hinstellt, dann kann uns seine Logik nicht gerade imponieren, ln Deutschland hätte er ja Gelegenheit, die jüdische Psyche, die stets und ständig auf Völkerversöhnung, Ausgleich und Frieden hinarbeitet, studieren zu können. In Deutschland verbrennt man den Juden, weil er nicht chauvinistisch , genug ist, und den ausländischen Juden stempelt man hier zum Kriegshetzer, damit man wiederum die Psychologie des deutschen Juden, die ähnlich sein soll, als minderwertig stempeln kann. Herrn Lenz wird es gleichgültig lassen, wenn wir ihn als Kenner der jüdischen Seele ablehnen. Wir aber wollen uns seine Deduktion merken, damit wir uns bei Gelegenheit seiner famosen Auslassungen erinnern können, wenn der betriebsame Herr sich auch anderorts mit seinen pseudowissenschaftlichen Ausführungen den Anstrich tatsächlicher Gelehrsamkeit gibt. Der Fall Lenz wäre mühelos zu erweitern. Viele der Schreibenden glaubten die großen Probleme, die so stark mit wirtschaftlichen, religiösen, rassigen Zusammenhängen belastet sind, im Handumdrehen mit Noten versehen zu können. Wir wollen es aber der „freideutschen Jugend“ nicht nachtragen, so lange Männer wie Natorp und Knud Ahlbom, welch letzteren man sich zu merken haben wird, noch ein Wort zu sagen haben. „Der Schultyrann, der Parvenü, Protz und Geizhals, der Bierbankspießer, der Kaffeehausliterat, der Monokel- und Zigarettengigerl, die kokette Gans, der typische Couleurstudent, sind sie nicht alle Verkörperung jenes Deutschtums, das wir je eher je lieber dem Untergange weihen möchten? Alle diese Formen, in denen unser eigen Blut uns gegenüber tritt, anklagend und drohend, beschäftigen uns Freideutsche mehr als jene unzweifelhaften Mängel bestimmter Juden. Ein jeder kehre vor seiner Türe! Uns scheinen die Mängel der Deutschen so erschreckend groß und naheliegend, daß wir uns zuerst auf ihre Beseitigung konzentrieren möchten.“ (Ahlbom.) Trotz alledem halten wir es für angebracht, wenn statt der Symmixis, statt der Verschmelzung untereinander eine Symbiose, „eine friedliche und schiedliche Symbiose“ (Friedrich) in der Form propagiert wird, daß unsere Verbände neben einander bestehen, sich von außen nach innen befruchten und in Fällen, wo ein Zusammenarbeiten ersprießlich erscheint, Fühlung genommen wird. Dadurch werden unnütze Reibungen erspart und der ewig offene und geheime Kampf verliert an Bedeutung, wie der Antisemitismus auf der Hochschule seit dem exklusiven Zusammenschluß der jüdischen Studenten zu gemeinsamer Wehr und Geselligkeit bedeutsam verebbte. Und wenn nicht einzelne Juden iw freie Studentenschaften und in andere Organisationen sich drängten, würde vermutlich die Judenfrage zu def tatsächlich entsprechenden Bedeutungslosigkeit herabsinken. Leider gibt es Juden, die immer wieder auf die Verlockungen, in einem freiheitlichen Verband mitzuwirken, hereinfallen. Für uns ist es kein Vergnügen, wenn infolge dieser Leute sich solche Debatten entspinnen,