Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 No. 4 macht, verschwindet der Jude automatisch. So durfte ein Auerbach für das dreifarbene Sand der Burschenschaft ins Gefängnis ziehen, durfte jüdische Ji^giejnd Opfer für die einstmals idealen Ziele dieser Korporation«* bringen, um nach Jahr und Tag als Dank vom Weidhofener Burschenschlafterverband sich schwarz unf weiß geben lassen zu dürfen, daß „der Jud’ keine Ehre habe.“ Das Unglaubliche und Unmögliche wird jeweils Tatsache. Der Jud' hat seine Schuldigkeit getan, der Jud’ kann gehen... Soweit hält der „Verband der freideutschen Jugend“ noch nicht. Er ist nicht so stade gesättigt wie die studentischen Verbände, die Burschenschaften, Corps, Turnerschaften, Sängerverbände. Es steckt in ihm ein starker Zug, in unbekannten Weitert neue Lebenswerte zu suchen. In seinem Kampf gegen ödes Vereinsmeiertuim, beim Einnehmen der chinesischen Mauern, welche veraltete Anschauungen behüten, leistet der Sauerteig der revolutionierenden, demokratisch aufstrebenden jüdischen Hirnei -eine wertvolle und befruchtende Arbeit, che instinktiv manchen Führern der freideutschen Jugend gefällt. Aber nur instinktiv. Praktisch kommen doch allenthalben die feinsten psychischen Regungen und .Differenzen zum Vorschein. Vielleicht ist es kein bloßer Zufall, daß sich die Aussprache über die .Judenfrage mitten in diesem furchtbaren Welten ringen vollzog. Das Hauptergebnis liegt uns in zwei Nummern der freideutschen Jugend (II. Jahrg., Heft 10/11 und III. Jahrg., Heft 4/5) vor. Des bekannten Schriftstellers Lagarde striktester Assimilationsstandpunkt wird zitiert. Er hofft auf einen Sieg des konservativen Preußen und eine Zerstörung des Judentums, „sonst wird Europa zu einem Totenfelde.“ Der zweite Rufer im Streite ist Förster: „Nur durch Christi* und in Christus wird die Judenfrage gelöst.“ Wenn ich mich nicht sehr inre, gehört Förster-München zur streng katholischen Richtung. Danach müßte wohl die deutsche Judenheit die Macht der römischen Kirche und des Zentrums stützen, während Lagarde nur den Protestantismus als deutsche Religion gelten läßt. Selbst wenn der Jude sich also taufen läßt, macht er es dem einen Teil der Deutschen nicht Recht. Mit beiden ist der Münchener Rassenforscher Lenz absolut nicht einverstanden. Er will weder ihre katholische noch evangelische Bekehrung, weder ihren konservativen noch ihren Zentrumsanschluß. Im Gegenteil : „So lange die Juden wiikfidh1 Juden sein und bleiben wollen, ist die Gefahr nicht groß!“ / Statt sich gegen die verehriiehen nichtjüdisChen Mitbürger zu wenden, die uns durch ihre sozialen, politischen und wirtschaftlichen Benachteiligungen in eine ungesunde Stellung zwängen, statt sich mit diesen Vorrednern auseinanderzusetzen, haut auch Lenz in dieselbe Kerbe. Denn das ist das gemeinsame an bovielen der Ausführungen: Die Juden sitzen auf der Anklagebank und haben ihre Sünden anzuhören. Was haben sie alles für schlechte Eigenschaften, eine „Erkrankung des Selbstgefühls“, „Rest von Knechtsein und Abhängigkeit“ (Förster) und noch viel mehr. Summarisch faßt Lagarde das alles zusammen: „Sie sind als Juden in jedem europäischen Staat ein Unglück. Sie feiern ihre Rachefeste, sie haben ihre eigene grausame Form des Schlachtens. Du konntest . vor dem Krieg tagtäglich lesen, wie sie über die altgermanischen Weiher feste sich lustig machten, wie sie gegen die Tradition (sie nennen es Reaktion) kämpften . . .“ und emphatisch schließt Herr Rust: „Willst du den Juden nicht bekämpfen, so sage dir: finis Germaniae!“ Hindenburg und Ludendorff haben also vergeblich gekämpft,- wenn