Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 13 schieden. Weder stellt sie positive, fest umrissene jüdische*Aufgaben, über die noch keinerlei Einigkeit in der Jugend herrscht, an den Ausgangspunkt ihres Wirkens, noch verlangt sie von den ihr angesichlossenen Vereinen irgendwelche Kompromisse. — Jeder Richtung überläßt sie es, das Judentum so aufzufassen, wie sie es „in innerster Wahrhaftigkeit fühlt und erlebt“, daher streitet sie nicht über „das Wesen des Judentums“, sondern setzt jüdische Gesinnung als selbstverständlich voraus. So will sie eine gemeinsame Jüdische Atmosphäre schaffen, innerhalb derer jede jüdische Vereinigung nach Kräften ihre eigenen Gedanken und Ziele vertreten kann und soll.' Das zweite, was sie unbedingt verlangt, ist die Betonung der Jugendlichkeit. Allmählich greift die Erkenntnis um sich, daß die jüdische Jugend wohl bisher jüdische Ziele verschiedenster Art verfolgt hat, daß sie aber das eigentliche jugendliche Moment vernachlässigt hat. Wer wollte bezweifeln, daß hier Ansätze schönster, zukunftsverheißender Art vorhanden sind? Im Blau-Weiß-Bund, im jüdischen Volksheim zu Berlin, in der jüdischen Gartenstadtbewegumg sind prächtige Vorstöße unternommen. Aber die Uebertragung dieses jugendlichen Elans auf weitere Kreise ist bisher unterblieben. Und zwar, weil man immer noch die Parteigrenzen zu scharf zog, nur im eigenen Kreise wirken wollte. Die jüdische Tur.nbewegung erscheint mir berufen, hier eine besondere Stellung einzunehmen; freilich muß auch in ihr eine Wandlung vor sich gehen. Was kürzlich von einer nicht-jüdischen „großen reichen Jugendbewegung“ gesagt worden ist, sie sei „zum Verein erstarrt“, das paßt m gewisser Beziehung auch auf unsere Turnbewegung. Es fehlt in ihr das jugendliche, impulsive Element. M. E. beruht dies eben darauf, daß sie zu sehr im eigenen engen 'Kreis sich drehte, keine Erweiterung und Fortführung ihres Programms vornahm, wie es der Zeit entspricht. Doch darüber ein ander Mal1. Aber gerade ihr demokratisches Prinzip, auf dem sie aufgebaut ist, befähigt sie in hohem Maße, den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft aufzunehmen und ihn zu fördern. Sie lasse endlich das von manchen Seiten geäußerte Bedenken fallen, als könne durch Beschäftigung mit diesen Dingen ihre Eigenart leiden, sie hätte genug niit ihrer eigenen Festigung zu tun. Wie im wirtschaftlichen Leben durch Aufhebung der Schranken jedes einzelne Wirtschaftssystem gewinnt, so ist es auch auf kulturellem Gebiet. Gerade in der Arbeit für die gesamte jüdische Jugend und mit ihr wird der Grundgedanke der jüdischen Turnbewegung erstarken und sich vertiefen. Erst wenn diese Ideen gereift und gefestigt in allen Lagern, vornehmlich aber in unserem, sind, wollen wir an die Vorbereitung eines jüdischen Jugendtages gehen, der m. E. erst stattfinden darf, wenn unsere jüdische Jugend aus dem Felde zurückgekehrt ist. Dann aber muß er kommen. Er ist die Instanz, die der gesamten jüdischen Jugend die Richtung weisen wird, wie sie ihre Aufgaben in Zukunft selbst durchführen kann im jüdischen und jugendlichen Sinn. Freideutsche Jugend — Wissenschaft und Judentum. iEtn Beitrag' von Felix A. T h e i 1 h a b o r, z. Zt. im Felde. Jugendliche freiheitliche Bestrebungen haben stets Juden als Mitglieder gesucht. In der Zeit der Gonsolidicrung, wenn Sturm mul Drang verfliegen und der Radikalismus einer konservativen Reserviertheit Platz