Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 No. 4 tum in bezug auf die Bedeutung der jüdischen Geschichte bestehen, friedlich beseitigt werden können?! Oder wie denkt man sich, daß plötzlich die jüdische Wanderbewegung, wie sie der Blau-Weiß in charakteristischer Eigenart darstellt, zu einer .Wanderorganisation „auf allgemeinjüdischer Basis“ umgewandelt werden könne?! Jiicht minder unbegreiflich ist es, wie man eine gemeinsame Bekämpfung des Antisemitismus verlangen konnte, als deren unerläßliche Vorbedingung die deutsche Gesinnung verlangt wurde. — Die Anführung dieser Programmpunkte genügt, um zu erkennen, wo der Kardinalfehler steckt, der hier gemacht wurde: Man stellte gemeinsame Aufgaben an den Anfangspunkt, die im besten Fall das Ziel einer langen und schwierigen Entwicklung sein können. Heute gemeinsam' an diese Aufgaben herantreten zu wollen, hieße von jeder einzelnen Richtung Konzessionen und Kompromisse verlangen. Daß sich gegen diese Zumutung alle übrigen Vertreter mehr oder minder temparamentvoll sträubten, ist selbstverständlich. So erlebte man denn das traurige Schauspiel, daß zwar die großen jOiganisationen sich in der V. J. O. D haben einigen können, daß aber die jüdische Jugend nicht vermochte, die trennenden Schranken zu überspringen. Der Schaden, den diese mißglückte Veranstaltung herbeigeführt hat, ist groß, da in weiten Kreisen, die sich mit dieser Frage nicht eingehend beschäftigt haben, der Eindruck hervorgerufen worden ist, als sei die jüdische Jugend nicht reif für diesen Gedanken, und als müsse man seine Ausführung für lange Zeit vertagen. Sollte diese Anschauung auch in den Reihen der jüdischen Jugend selbst festen Fuß fassen, so wäre dies geradezu verhängnisvoll. Wir wollen uns doch darüber nicht täuschen, daß gerade die heutige jüdische Jugendgeneration vor einem gewaltigen Wendepunkt steht. Es handelt sich gleichermaßen üm den Bestand des jüdischen Volkes äußeren Einflüssen gegenüber, wie nicht minder um die Erringung neuer Grundlagen für seine innere Entwicklung. Das fühlen wir auch alle instinktiv, wir leben in einer schicksalsschwangeren Zeit, da sollte die jüdische Jugend tatenlos dabei stehn, auf ausgetretenen Pfadlen neben einander hertrotten und nicht den Ruf der Zeit nach höherer Einheit hellhörig mit verstehen? Ich denke nicht so gering von der Jugend. — In der Tat ist ja auch von national-jüdischer Seite ein Vorschlag eingebraoht worden, der auf einem anderen Weg das Ziel der Einigung erreichen will: Es soll ein jüdischer Jugendtag einberufen werden, auf dem nicht nur „die Führer“ der verschiedenen Organisationen, sondern die Jugend selbst zu Worte kommen soll. Dieser Vorschlag, der merkwürdiger Weise in der Versammlung auf vielfachen Widerstand stieß undi zum Schluß nicht einmal zur Abstimmung gelangte, ist aufs wärmste zu begrüßen und sollte in allen Lagern mit Begeisterung aufgenommen werden. Nur auf diesem Wege kann die jüdische Jugend endlich mündig werden, kann sie, was sie mit tastenden Versuchen nach den verschiedensten Richtungen hin erstrebt hat, dazu kommen, ihr Werden und Wollen selbst in die Hand'zu nehmen. Aber — hier erhebt sich nämlich am1 Anfang ein großes Aber — dieser Jugendtag darf nicht unter den gleichen Fehlern leiden, wie die Verständ igumgsgemeinschaft, d. h. er darf nicht schlecht vorbereitet sein, und er darf nun seinerseits nicht der Jugend ein spezielles Programm aufzwingen wollen, wie in der Verständiguingsgemeinschaft das Programm der neutralen Jugendvereine als maßgebend anerkannt werden sollte. Der Weg zum jüdischen Jugendtag führt über die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugendvereine nach Hamburger Muster. Es darf nicht so kommen, daß die Hamburger Arbeitsgemeinschaft mit der Berliner Verständigungsgemeinschaft verwechselt wird. Sie ist prinzipiell v e r -