Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492379-5965033-5965375--572-4922748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 4 11 sind heute Allgemeingut und Selbstverständlichkeit, aber darum nicht weniger dringend. Wenn wir diese Entwickelung audi zum größten Teil als pine Frucht der allgemeinen Erkenntnis von dem Wert körperlicher Vorkseraehiung betrachten, so dürfen wir uns doch immerhin zugute halten, unter den Juden zifin guten Teil aufklärend gewirkt zu haben. Wir wollen nicht vergessen, daß einerseits die allgemeinen großen Tum- und Sportorganisationen fast durchweg (mehr oder weniger gewollt und bewußt) die Juden ausschließen, daßi andererseits die Juden als Frucht früherer Zeiten eine gewisse Abneigung und Geringschätzung körperlichen Bestrebungen entgegenbrachten. ' Wenn wir diese heute als übervvunden betrachten können, so ist das unbestreitbar ein Erfolg der Jüdischen Tumerschaft. In diesem Zusammenhang haben wir die jüdische Tumbewegüng auffassen als einen Teil der allgemeinen Tum- und Sportbewegung, die in Europa und Amerika in den letzten Jahren zu immer größerer Bedeutung gereift ist. In diesem rein körperlichen Sinne hat eine speziell jüdische Tumbewegung meines Erachtens keine Existenzberechtigung, da sie nur auf rein äußerlichen Gründen basiert. So sehr wir unser Augenmerk auf die Probleme jüdischer Volkshygiene richten, unsere eigentliche Aufgabe suchen und finden wir auf dem Gebiet jüdischer Jugendbewegung. Hiervon ein anderes Mal. Jüdische Turnerschaft und Arbeitsgemeinschaft Von Dr. Ernst Tuch. Die Verständigungsgemeinschaft der jüdischen Jugend, zu deren Gründung Vertreter der neutralen, der zionistischen, der nationaljüdischen, der liberalen Jugend vereine — auch die Orthodoxen hatten, wenn auch vorläufig nur zur Information, Vertreter entsandt — am 5. März in Berlin zusammengekommen waren, ist nicht zustande gekommen. Nach mehrstündigen Debatten ging man mit dem niederdrückenden Gefühl auseinander, daß diese Aussprache mehr die Treftnungslinien zwischen den verschiedenen Richtungen aufgewiesen habe, als das erstrebte Einigende. Mag «>« großer Teil der Schuld auch auf die ungenügende äußere Vorbereitung dieser Tagung zurückzuführen sein — denn wie können prinzipielle Erörterungen stattfinden, wenn den meisten Rednern nur 3 Minuten Redezeit zugebilligt werden konnte? —, so liegt der eigentliche Grund doch tiefer. D°ß ein vielfach unbewußter, gefühlsmäßiger Drang zum Zusammen-?~™ß in der jüdischen Jugend vorhanden und dauernd Im Wachsen •^griffen ist, wird in allen Lagern empfunden. Die große Schwierigkeit nur darin, daß man nicht recht weiß, auf welcher Basis. Von der r*®;uPtreferentin des Abends, Frl. Dr. Gora Berliner, wurde ein Programm aufgestellt, das, im Großen und Ganzen sich anlehnend an dasjenige dei neutralen Jugend vereine, eine Reihe von gemeinschaftlichen Aufgaben for- ,^e> die nach keiner Seite hin befriedigen konnten. Da wird verlangt, naß diese neue Gemeinschaft die Kenntnis der jüdischen Lehre, der he raischen Sprache und der jüdischen Geschichte pflegen solle. Man raucht den Oedanken nur auszusprechen, um seine Undurchführbarkeit zu ricennen. Wie sollen denn mit einem Male die prinzipiellen Gegensätze, die h u' Orthodoxen und Liberalen in bezug auf den religiösen Kemgeait der jüdischen Lehre oder zwischen nationalem und nichtnationalem Juden-