Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Ne. 4 nenschaft mit bester Zuversicht entgegensehen dürfen. Man führe sich die Größe der Tatsachen vor Augen: Seit dreiundeinhalb Jahren ist unsere Organisation in allen ihren Zweigen ihrer besten Mitglieder beraubt, und fast hur unsere 'jüngsten sind es, die sie über Wasser halten. Und dodh hat die Turnerschaft diese lange, schwere Krisis überdauert; ja sie zeigt unveikemnbar Ansätze zu neuen, großen Möglichkeiten. Als der Krieg ausbrach, stand die Jüdische Turnerschaft inmitten einer Entwickelung, die idh als Intensivierung unserer Tendenzen bezeichnen möchte. Schon die Aussprache auf dem letzten Turntag bewies, daß die bis dahin allgemeine Auffassung unserer Aufgaben der Heranwachsenden Generation nicht mehr genügen konnte. Man hatte unseren Inhalt etwas zu einseitig vom Standpunkt der Volkshygiene gesehen und die Ziele unserer nationaljüdischen Jugenderziehung gar zu stiefmütterlich behandelt. Der letzte jüdische Tuimtag gab dieser Eikenntnis Ausdruck, indem er unserem Programm eine neue, ooncretere Fassung verlieh. Und die Entwickelung unseres Verbandes nach dem Tumtag sollte dem Willen des Tumtages, den Ansprüchen unserer Jugend gerecht werden. Die Umwandlung der Jüdischen Tumzeitung in unsere Monatshefte mit weiteren und höheren Zielen war ein äußerer Ausdruck unserer Tendenz. Unser Schauturnen vor dem letzten Zionistenkongreß, unsere Tumerfahrt nach Palästina waren nicht mißzuverstehende Kundgebungen von der Richtung; unseres Wollen®. Wenn wir nach vier Jahren Weltkrieg, der unseren inneren und äußeren Menschen aus der Fagon brachte, unsere Bilanz ziehen, um uns für neue Friedensarbeit zu präparieren, so scheint es mir Vorbedingung, eine Aussprache über unsere Tendenzen herbeizuführen. Gerade in der Auffassung nationaler Fragen und in den Bedingungen vieler jüdischer Probleme hat die Kriegszeit ungeahnte Umwälzungen gefördert, d e selbst verständlich auf unsere jüdischnationalen Anschauungen starken Einfluß haben müssen. Und daß die allgemeine historische Entwickelung, die sich aus dem Chaos dieses Krieges herauszukristallisieren scheint, der oben angedeuteten Entwickelung unserer Tendenzen entspricht, zeigt uns, daß wir auf dem richtigen Wege waren. Auf welchem Wege? Idh sagte oben, daß eine frühere Epoche unsere Aufgaben allzu einseitig vom volkshygienischen Gesichtspunkt aus bewertete. Damit will ich nicht im geringsten den Kreis derjenigen Probleme beschränken oder ihre Bedeutung verkennen, an deren Lösung im Interesse der Volksbygiene eine Jüdische Tumersdhaft unbedingt mitzuarbeiten hat. Unser altes, etwas veraltetes Schlagwort von der „körperlichen Regeneration" beweist ja, daß wir von jeher unsere Pflicht erkannten. Und wenn wir heute diesen Teil unseres Programmes, der früher unser Fundament war, als etwas antiquiert und überlebt empfinden, so kann das nur daran liegen, daß uns diese Forderungen und ihre Erfüllung bereits selbstverständlich geworden sind. Man braucht nidht mehr davon zu sprechen. In der Tat ist ja die Forderung, unsere Jugend der Werte einer modernen Turn- und Sportbewegung teilhaftig werden zu lassen, kein jüdisches Problem im eigentlichen Sinne. Der Ruf nach körperlicher Betätigung ist ja ein Programmpunkt jeder modernen Jugenderziehung in den Städten und Großstädten. Und nur da wir Juden in hohem Prozentsatz verurteilt sind, Stadtluft zu atmen, wird die Forderung nach Turnen und Sport 'für uns eine volkshygienische Notwendigkeit. Sie ist für uns an und für sich nicht dringender als bei jeder anderen Kathegorie von modernen Großstadtmenschen. Diese volkshygienisdien Probleme falten in den allgemein - menschlichen Teil unserer jüdischen Aufgaben. Sie