Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Vierte Kriegsnummer (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 No. 4 Wenn ich diese Neuregelung der Organisation an die erste Stelle gesetzt habe, so wollte ich damit kein Werturteil dep anderen Fragen, die uns vorliegen werden, gegenüber aussprechen. Gewiß, der äußere Bau wird in den Verhandlungen zuerst besprochen werden, aber andere Punkte werden von wenigstens nidht geringerer Wichtigkeit sein. Eins wird während des Krieges allen Mtar geworden sein, daß wir einen neuen Weg suchen müssen, um der jüdischen Turnerschaft eine batet* Festigung zu geben, tund daß wir den Zusammenhalt nicht mehr allein auf ein rein organisatorisches Fundament stellen dürfen. Erfüllen wir allein durch Timten und Sport und durch den organisatorischen Zusammenschluß zu einem Verbände unseren Zweck? Und erfüllt dieser Verband seine Aufgabe, wenn er rein geschäftsmäßig die Kreise und Vereine umfaßt? Beide Fragen stellen heißt sie auch verneinen. In unseren Tendenzen sind juns andere Wege gewiesen. Die Jüdische Turnerschaft ist eine national-jüdische Jugendbewegung und wenn wir auch in der turnerischen und sportlichen Ausbildung eine ganz wesentliche Aufgabe eiblicken, der wir stets mit größtem Eifer und verständnisvollem Ernst nachkommen werden, so dürfen wir die anderen Tendenzen nicht weiter so unbeachtet lassen, wie es bisher geschah. Wir werden uns mit unseren Aufgaben als Jugendbewegung überhaupt und im besonderen mit denen national-jüdischer Richtung zu beschäftigen haben. Wir werden fesrtzustellen haben, ob wir mit dem Anschluß an den national-jüdischen Jugendverband, der hoffentlich sich bald über Deutschlands Grenzen hinaus erstrecken wird, unseren Pflichten genügen, oder ob und in welchem Umfange wir an der national-jüdischen Jugendarbeit tatkräftig mitzuhelfen haben und wie wir in unseren Reihen das verwirklichen müssen, was das jüdische Volk von seiner Jugend verlangt. Turnen und Sport alleih werden uns nicht lebensfähig erhalten, sondern unsrer harren umfangreichere Pflichten als junge Juden. Wir werden uns damit nicht mehr begnügen dürfen, den Satz von der national-jüdischen Grundlage in unsere Vereinsstatuten zu drucken; wir müssen die Zeichen der Zeit begreifen und danach handeln. Das nationale Judentum steht vor neuen Wegen und wer soll sie 'zuerst beschreiten, wenn nicht die Jugend? Ich bin überzeugt, daß wir uns diesen Forderungen mit einmütige®1 festem Willen, unser bestes zu tun, anschließen werden und daß die Aussprache sich nur mit den Methoden und den zum Ziele führenden Wegen beschäftigen wird. Dagegen wird eine andere Frage an uns herantreten, die schwerer zu behandeln sein wird und bei der wir auf weit auseinandergehende Antworten stoßen werden. Ein großer Teil der jüdischen Jugend steht unseren Tendenzen ablehnend gegenüber. Wenn auch der Versuch, eine Grundlage für gemeinsame Arbeit zu schaffen, vorläufig gescheitert ist, so werden wir doch später wieder vor diese Entscheidung gestellt werden .und wir werden gut tun, auf dem Tumtag Stellung dazu zu ndiinen. Das wissen wir voraus: In Fragen, die unser inneres Wesen berühren und die wir durch das Bekenntnis zum Natkmal-Judentum beantwortet haben, schließen wir keine Kompromisse, und unsere jüdische Jugendarbeit lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen. Aber wir müssen uns fragen, ob wir die Kluft zwischen uns und unseren Brüdern noch weiter vertiefen wollen und ob es nicht nötig sein wird, Brücken zu bauen, die schließlich doch zu uns führen, werden. Es werden auf dem Turntag auch Fragen erörtert werden müssen, die zwar mehr Aufgaben der einzelnen Kreise sein werden, die aber auch die Gesamtheit berühren werden. Der deutsche Kreis wird sich dem in Aussicht genommenen Reichs-Jugenchvehrgesetz .gegenübersehen und