Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Dritte Kriegsnummer (Februar 1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 No. 3 letzteren durchschnittlich 10 cm größer waren und einen UM 7,5 «• werteren Brustumfang hatten.*) . Mich dünkt, daß derartige Zahlen mehr als viele Worte für eint großzügige Dezentralisationsbewegung im Sinne der Gartenstadtgedanke» sprechen, und dieser Ansicht wild hudr von berufenster Seite beigepflichtet. Auf dem Internationalen Kongreß für soziale Hygiene und Demographie» der vom 22. bis 29. September im Berliner Reichstagsgebäude tagt«* und an dem über 5000 Personen, meist Hygieniker und Aezte, teilnahmen. wurde im Anschluß an ein Referat des Schreibern dieser Zeilen die nach' stehende Resolution angenommen: „Der Kongreß erblickt eine wesentliche Förderung der Volk#- gesundheit in einer durchgreifenden Wobnimgs- und Bodenbesitzreforffl. Er empfiehlt; der Ausgestaltung der bestehenden Ortschaften sowie der Begründung neuer Siedehmgen che Ziele der Gartenstadtbewegung zugrunde zu legen, die in den verschiedenen Kulturländern hygienisch vorbildliche Ansiedlungen geschaffen hat oder zu schaffen bemüht ist.. Nun hat das schöne Wort von der „Gartenstadt" zu allerlei nicht ganz so schönen Verwendungen geführt. Wir haben den Typus der sogenannten Gartenstadt, die in Wirklichkeit nur eine vorortraäßdg« Wohnweise am Rande ider Großstadt darsteüt, bei der ein bißchen mehr Grün zur Geltung kommt als bei der bisherigen städtischen Bauweise. Schon ein paar Meter Rasenvorland und einige Stakete genügen manche® Baugesellschaften, um die Berechtigung zur Verwendung des verlockenden Wortes abzuleiten. Zwischen einer solchen Rseudogartenstadt und demjenigen Typu* in welchem bereits Wohnungen und Erwerb mit enthalten sind, iß®1 letzteren Falle Obst- und Gemüsebau nebst Kleintierzucht in Verbindung mit städtischen Berufen und Industrien — meist unter Ausschaltung de» Getreide- und Kartoffelbaue9 —) gibt es nun eine Reihe andere* Formen, unter denen sich für die bisherigen Großstadtbewohner, di» in ihrem Berufsleben keine radikale Aenderung vollziehen mögen, di» folgende am besten empfiehlt: Ansiedlung in einem von der Großstadt nur so weit entfernten Orte, daß wenigstens! einmalige Hin- und Herfahrt am Tage durch gute Verkehrsgelegenheit ohne all zu große Opte* an Zeit ermöglicht wird. Dabei vorwiegend Einfamilienhäuser mit wenig* stens für Gemüse- und Obstbau ausreichendem Gartenland. Diese Form der Oartenstadt, die ach in England bereits in der Nähe mehrerer Großstädte bewährt hat, Und für die auch in Deutschland schon Anfänge existieren, hat jetzt auch jüdische Kreise Berlins veranlaßt, zu einer solchen Gründung zu schreiten, über die der nachstehend« Aufruf Näheres besagt: Zum Projekt einer jüdischen Gartenstadt bei Berlin. Eine Aufforderung zur Beteiligung an einer Oartenstacftbewegung bedarf in jüdischen Kreisen heute noch einer besonderen Begründung* Eine unaufhaltsame wirtschaftliche Entwickelung drängt seit Jahrzehnten einen immer größeren Teil der Bevölkerung Deutschlands in di« *) Einige neuere Ziffern: Sterblichkeitsziffer auf 1000 Einwohner Letchworth (Gartenstadt) 4,8 Boumville (Gartendorf) 7,5 Port Sunlight (Gartendorf) 8,0 Durchschnitt von 26 engl. Großstädten 15*9 Kindersterblichkeit auf 1000 Geburten 38.4 80.2 65.4 145,0