Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Dritte Kriegsnummer (Februar 1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No . 3 9 Idi glaube, die Landwirtschaft der Zukunft wird nicht das Werk beschränkter Landwirte sein, die schlecht bezahlte Landarbeiter ausbeuten: sie wird das Werk intelligenter Männer sein, gleich den Männern, die in unseren großen Fabriken arbeiten, und gegen ein Entgelt, das dem der städtischen Berufe entsprechen wird.“ Dies paßt in der merkwürdigsten Weise gerade auf unseren Pall. Auch die Volksgesundheit kommt bei dieser Siedlungsform zu ihrem vollen Rechte. Hans Kampffmeyer'führt .in seinem Büchlein über die Gartenstadtbewegung*) darüber folgendes an: „Hier wird Gelegenheit zur Gartenarbeit geboten, auf deren gesundheitliche Bedeutung Professor M, v. Gruber und ändere Hygieniker mit Großem Nachdruck hinweisen. Denn die Erzeugnisse des eigenen Gartens ringen Abwechslung in den Speisezettel und ermöglichen eine bessere Ernährung der Familien. Die uartenarbeit gibt detni in der Fabrik beschäftigten Arbeiter und auchdem geistigen Arbeiter, der seine Zeit ijn Büro oder Schreibzimmer verbringt, ein gesundes Gegengewicht gegen uie schädlichen Nachwirkungen seiner beruflichen Tätigkeit. Die Frauen üer Unbemittelten finden zudem hier eine gesunde und nutzbringende Beschäftigung. In einer Zeit, in der die Arbeitnehmer auf eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit drängen, und für viele Berufe sich die Stundenzahl auf neun und acht Stunden bereits ermäßigt hat, gewinnt die Beschäftigung in uer nun verbleibenden freien Zeit eine wachsende Bedeutung. Hier wird uie Gelegenheit zur Gartenarbeit außerordentlich segensreich wirken. Sie Wird zugleich ein wertvolles Gegengewicht gegen die Gefahren des Alkoholismus bilden. > Bei der Jugend der ersten Gartenstadt kann man über ihre Wirkung auf die Gesundheit der Einwohner noch wenig sagen. Dagegen steht Uns schon einiges Zahlenmaterial aus' verwandten Unternehmungen zu Gebote, das Schlüsse auf die gesundheitliche Wirkung der Gartenstädte auläßt. So betrug die Sterblichkeit in den von der Stadt Ulm mustergültig angelegten Kleinwohnungen, die zudem überwiegend von kinderreichen Familien bewohnt werden, 1901 nur 1T06 una 1906 kamen ''in **hn Monaten nur 5 Oestorbene auf tausend Einwohner, während der Durchschnitt der letzten Jahre in Ullm 18,5 betrug. Noch schlagender sind die Erfolge, die in Port Sunlight und Bournvnle, den Vorläufern der englischen Gartenstadtbewegung, erreicht worden sind. Durch eine ausführliche Statistik des Arztes Dr. Arkle wurde festes, eilt, daß in der Stadt Liverpool ein Junge von elf Jahren in den ‘chulen höheren Orades durchschnittlich so groß und schwer ist wie ein Werzehn jähriger Junge in den Volksschulen, daß jedoch die Söhne der Arbeiter in Port Sunlight größer iund schwerer sind als die gleichaltrigen der reichen und angesehenen Liverpooler Bürger, welche die erwähnten Schulen höheren Grades besluchen. . . Während die durchschnittliche; Sterblidikeitsziffer in England 16 o/o beträgt und in den Slum-Quartieren von Städten wie Liverpool bis auf 35°/o ®fo*gt, beziffert sich die durchschnittliche Sterbezahl in Port Sunlight auf ö~-9o/o. j>je gesundheitlichen Erfolge in Boumville sind ebenso günstig Wie jn Port Sunlight. Gegenüber einer Durchscbnittssterblichlceit von {7>ü°/o in Birmingham während der letzten sechs Jahre, finden wir in “ournville während der gleichen Frist durchschnittlich nur 7,5'®/o, also wenigef als die Hälfte. Die Kindersterblichkeit betrug in Boumville in meser Zeit 7,9 gegen 17 o/o ln Birmingham', Ein Vergleich der Schulkinder "* Birmingham mit gleichaltrigen Klassen in Boumville ergab, daß die *) Verlag Teubner, Leipzig 1909.