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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1918-02-01 · Dritte Kriegsnummer (Februar 1918) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
1916-1918
Issue
Dritte Kriegsnummer (Februar 1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 No. 3 Siedlung vorzügliche Resultate ergeben und konnten auch bet uns z» ähnlichem Erfolge führen. Die Ungunst der Verhältnisse zu einer Zeit, in der die Kolonisation vom Programm abgesetzt war, ließ ähnliche Pläne erst kurz vor dem Kriege in Gestalt der Achusa-Be Strebungen, die auch ihrerseits von Amerika ihren Ausgang nahmen, wieder aufkommen. Mitten in der ersten Entwicklung kam die große Unterbrechung durch' den Krieg, der freilich in den jüdischen Lebensverhälitnissen so große Umwälzungen hervorrief, daß wir nadi seiner Beendigung mit einer viel größeren jüdischen Einwanderung nach Palästina zu rechnen haben werden als je zuvor. Umsomehr ist es am Platze, sich jetzt über System und Form der Kolonisation klar zu werden. Vor allem sollte man sich vergege®* wärtigen, daß eine größere jüdische Einwanderung nur zum geringste® Teil aus landwirtschaftlich vorgebildeten Elementen bestehen wird, und daß der Jude sich viel mehr zu st äd t i s ch e n u n d i n d u s t ri ell«1*' Berufen eignet. Auf der anderen Seite hat auch, wie bereits erwähnt, das Land seine Eigentümlichkeiten. Aehnlich wie manche Teile des Orients und andere Mittelmeergebiete ist Palästina mehr ein Gartenland als Ackerbaugebiet. Auch hat Palästina bereits einen Ueberschu» an landwirtschaftlicher Produktion, und bei seinem Mangel an Industrie, den es mit der Türkei und der weiteren islamischen Welt g®' mein hat, verlangt es von seinen Einwanderern mehr industrielle ' als landwirtschaftliche Betätigung. Nur so kann ein Ausgleich seiner Ueberschüsse und Bedürfnisse herbeigeführt werden. Ziehen wir daneben aber in Betracht* daß unter den treibende» Faktoren der jüdischen Kolonisationsbestrebungen die Rückkehr zum Boden eine beträchtliche Rolle spielt, und suchen wir von vornherein der industriellen Betätigung und anderen städtischen Berufen ihre Nachteile zu nehmen, so bietet uns die Gartenstadt hiernach wohl den besten Fall. In der Vereinigung von städtischer und ländliche* Arbeit, in dichter Siedelung bei freier Natur, in einer Vielseitigkeit der Berufe, in der die Fähigkeiten der Ansiedler und die Bedürfnisse des Landes in gleicher Weise zu ihrem Rechte kommen, sehe ich die best*' Form jüdischer Kolonisation in Palästina. Man könnte nun meinen, daß es gewagt wäre, für unsere »eUe Kolonisation auch eine, neue Form der Landwirtschaft zü propa* gieren. Aber gerade das ist das Richtige, und alles andere wäre g®' wagt. Auch ist bei Abkehr von der herkömmlichen Form der La»“.' Wirtschaft nicht allzuviel verloren. Auf unseren jüdischen Fall paßt >“ noch viel höherem Maße, was der englische Dichter und Sozialist Bernhard Shaw bei Gelegenheit einer Gartenstadtdiskussion sagte: „.... Ich weiß, (daß wir alle, besonders die, die in Städten wohne»> der Meinung sind, die Landwirtschaft sei ein edler Beruf, der O®* sundheit Und Freude und! Kraft in sich birgt und die Erneuerung Volkslebens. Meine Ansicht aber ist, daß sie ein unwürdiger, verkomm*»®** - empörender Beruf ist; und ich glaube, die Landwirtschaft in unserem Lande wird nie zu einer Blüte kommen, solange sie in den Händ®" der landwirtschaftlichen Klasse verbleibt. Ich glaube, unserem Land wird! Gedeihen kommen von den Menschen, die in den Städten gewesen sind und nun wieder z»"1 Lande zurückkehren.

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