Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Dritte Kriegsnummer (Februar 1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 No. 3 Wird so die Zeitschrift die Bilanz aus Vergangenheit und Gegenwart ziehen müssen, so soll sie uns auch die Wege weisen in die Zukunft. Wir müssen die Mittel erwägen, die wir besitzen und die Methoden, sie für kommende Aufgaben zu mehren. Wir betrachten die frühere Art unserer Betätigung und haben uns zu fragen, ob sie künftige*1 Ansprüchen genügen kann. Wir sprechen uns aus über die Grundlagen der Turnerschaft und müssen uns klar werden, ob sie in der bisherigen Form der Zukunft gerecht werden können. Die Zwecke der Zeitschrift sind klar und vielfach. Es wird wohl jeder von uns überzeugt sein, dafi ihr . Wiedererscheinen Vorbedingung ist für die Wiederbelebung äet Jüdischen Tumersdiaft. Dankbar werden wir den Getreuen der Heimat se*n, wenn der schöne Wille, trotz der vielen Hindernisse, zur Tat wird. Einer Aufforderung der Redaktion, wie innerem Bedürfnis folge11“» habe ich die Absicht, in einigen zwanglosen Feldbriefen meine Gedanken über Gegenwart und Zukunft der Tumersdiaft zum Ausdruck zu bringen. Ich darf midi hierzu als berechtigt betrachten als langjähriger Geschäfts" führer unserer Organisation und Leiter unserer Zeitschrift aus der Ze» vor dem Kriege und — wie ich hoffe — für die Zeit nach dem Kriege. Indem ich beginne, davon zu sprechen, was uns der Krieg atl Werten genommen und gegeben hat, lenken sich meine Sinne trauet" voll zu jenen von uns, die den Soldatentod gefunden haben. Orof> ist naturgemäß die Zahl derer von uns, die körperlich geeignet rfi«“» den Militärdienst zu leisten, groß ist die Zahl derer, die sich ihre* Vaterland zur Verfügung stellten, ehe man sie rief. Diese Tatsachen sprechen für sich. Dementsprechend groß aber ist auch die Zahl deret von uns, die von Erfüllung schwerer Pflicht nicht mehr heimkehren werden. Und ist es nicht, als ob das Schicksal gerade die Besten *1® unserem Kreise riß? Greifenhagen, Fritz Abraham, Fritz Mich*1» Karl Abraham — ich greife wahllos die Namen heraus. Ist luls nicht bei jedem, als ob gerade er uns am nächsten stand, als ob gerade er uns unentbehrlich dünkt? Oder—und so ist es: Wir sind durch unsere Ideale so fest und brüderlich miteinander verknüpft, daß Wir uns untren«' tar wähnten. — Wir, blühende Jugend unseres Volkes, wir glaubte*1» noch ein langes Leben seiner Zukunft widmen zu können, wir waren voll Sehnen, Glauben und Hoffen — wer von uns dachte an Tod- Und nun? Stumm richten wir die Frage an Gott: und nun? Hunderten sind sie gestorben. Und weil der-Tod jedes einzelnen selbst betraf, weil er Lücken riß in unseren Jugendkreis, den wir lU unsterblich hielten, darum ist’s uns und wird’s uns bei jedem so seinals ob das blinde Schicksal gerade die Besten von uns rief. , . Wie eine Mutter um ihre Söhne weint, so trauert die Jüdisch Turnerschaft um ihre jungen Toten. Wir wägen nicht, ob dieser oder jener uns wertvoller War, ob wir diesen oder jenen schwerer nüss® werden. Ein jeder hat an seiner Stelle, nach seinen Fähigkeiten U11 sein Bestes gegeben, ein jeder war ein Stück von uns. Und noch sind wir zu erregt über das Unfaßbare ihres Schicks8'®» noch stehen wir mitten im Erleben unserer Trauer, um uns nach de. Sinn des jungen Sterbens fragen zu können. Und, ach!, noch i®*/" Zahl jener nicht geschlossen, die ihre Jugend mit dem Tode büße*1.; Und in ahnungsvollem Schauer fragen wir uns: wer ist der Nächste* Fist du es selbst oder ist’s dein Bruder?? — — — _ Noch ist die Zeit nicht gekommen, den Sinn des jungen Sterben zu erfragen. Aber wir haben gelernt, in allem historischen Oescften* tieferes Bedeuten zu erkennen, und es wird der Tag kommen, der aüen das Unfaßbare klärt.