Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 135 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492379-5965026-5965368--467-4922646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 4 135 3000 Zuschauer folgten bis zum Schluß mit sichtbarem Interesse den einzelnen Vorführungen, die durch ihre praktische Anordnung und exakte Ausführung das Fest zu einem Erfolg in jeder Beziehung gestalteten. Das neuaufgesteilte Sommerprogramm ist diesmal recht vielseitig gestaltet. Wir wollen den neuen Sportplatz mit seinen schönen Spielflächen recht kräftig ausnützen und den Turnbetrieb recht anregend gestalten. Die Abteilungen müssen daher an jedem Sonntag vollzählig und pünktlich in vorschriftsmäßiger Kleidung zur Stelle sein. Die angesetzten Wettspiele müssen innerhalb der Abteilungen gut eingeübt sein, um überhaupt ein annehmbares Resultat zeitigen zu können. Die Turnfahrten, die diesmal in die schönsten Teile der Mark führen, werden hoffentlich alle Wanderfreudigen mehr als sonst veranlassen, recht zahlreich daran teilzunehmen. Die Vorturner sollen in ihrer Eigenschaft als Riegenführer auch außerhalb des Turnsaales die ihnen anvertraute Riege Zusammenhalten und gemeinsam mit ihr sich an den Turnfahrten beteiligen. Ganz neu haben wir in das Sommerprogramm eine allgemeine Vereinsturnstunde aufgenommen, die in voller Oeffentlichkeit vor sich gehen soll. Es werden für diese Turnstunde allgemeine Freiübungen ausgearbeitet und in den nächsten Mitteilungen veröffentlicht werden. Die Uebungen werden von allen Männer-, Frauen- und •fugendmitgliedern in vorher bestimmter Aufstellung gleichzeitig geturnt werdtn. Die unter sich verschiedenen Uebungen sind aufeinander abgestimmt, Verden sich einander ergänzen und ein geschlossenes wirksames Bild ersehen. Dieser Nachmittag ist als Propagandätag gedacht, und deshalb sollen unsere Mitglieder erstens sämtlich anwesend sein, und dann auch ihren Verwandten- und Bekanntenkreis mit unserem Sportplatz bekannt machen. Für uns soll der Sommer keine Unterbrechung des Turnbetriebes bedeuten, sondern im Gegenteil hoffen wir, daß durch den vielseitigen Betrieb im Freien das turnerische Leben in den Abteilungen weiter erstarkt. Julius Hirsch. Die Lehre von Potsdam-Berlin. Es ist oft genug betont worden, daß Potsdam—Berlin der Prüfstein für die Arbeit des ganzen Jahres ist. Unser relativ schlechtes Abschneiden (22. Platz unter 59 gegen 15. unter 57 im Vorjahre) ist die Quittung für die jasche Auffassung des Sportes in unseren Reihen. Seit geraumer Zeit ist der Begriff Training ziemlich unbekannt bei uns. Kein Wunder, wenn wir dann >m sportlichen Wettkampf versagen. Von den 50 Teilnehmern haben nur ca. 12 plan- und regelmäßig trainiert, 18 begannen acht Tage vorher, und ca. gingen so gut wie untrainiert ins Rennen. Die Läufer haben sich also salbst für das schlechte Resultat verantwortlich zu machen. Die Leitung f*at zeitig genug auf das Training hingewiesen. Gerade unsere besten Leute sind leider vielfach der naiven Ansicht, daß sie nicht zu trainieren brauchen, Weil sie auch ohne Training besser als die schlechtesten unserer Mannschaft sind. Bei der überaus scharfen Konkurrenz bleibt dann unser Verein gegen die ernsthafter trainierenden vielfach sogar kleineren Vereine zurück. Wo bleibt da der sportliche Geist, wo das Verantwortlichkeitsgefühl unserer Mitglieder? Es ist zu hoffen, daß der Stamm unserer Mitglieder durch unser nicht serade glanzvolles Abschneiden aus seiner Lethargie aufgerüttelt wird und durch Taten die Scharte auswetzt. Was uns uottut, ist ein strammer Trai- "ingsbetrieb besonders an den Wochentagen. In dieser Situation müssen alle unsere Mitglieder, die es ernst mit dem Sport und ernst mit unserer Aufgabe nehmen, den jüdischen Namen im Wettkampf zu Ehren zu bringen, durch fleißiges Training, durch tadelloses sportliches Verhalten künftige Erfolge vorbereiten helfen. Wir erwarten, daß diejenigen, die sich ganz zu uns rechnen.