Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 121 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 4 121 steigenden nationalen Bewußtsein der Judengegner mußten die Juden weichen und wurden langsam aus allen Vereinen wieder herausgedrängt; und eben dem Qeiste der Zeit entsprechend, im Sinne des überall höher pulsierenden nationalen Lebens, ward die jüdische Turnbewegung ins Leben gerufen, aus der jetzt die jüdische Athletik sich entwickelt Bei den Juden tritt die Notwendigkeit einer turnerischen Vorbildung der Athleten noch deutlicher zutage als bei den anderen Nationen. Die jungen jüdischen Sportler haben von ihren durch Jahrhunderte im Ghetto gedrückten Vätern nicht die körperlichen Voraussetzungen für den Sport übernommen. Hier mußte und muß mit grundlegender Arbeit begonnen werden, und diese kann nur das Turnen besorgen. Daß die Juden bei entsprechender Schulung auch auf dem Gebiete der Athletik ganz Hervorragendes zu leisten vermögen, sehen wir bei den Ungaren. Dort waren die Juden jahrzehntelang im Besitze einer fast vollen gesellschaftlichen Gleichstellung und dort werden wir — im Turnen wie im Sport — Juden nicht nur in den Verzeichnissen dilettierender Sportsmen finden, sondern ihre Namen in fast allen Siegerlisten sämtlicher Disziplinen lesen können. Dort konnten sich die Juden in einer langen Zelt gemeinsamen Trainings mit Nichtjuden frei und ungestört entwickeln und um Jahrzehnte früher als wir an der körperlichen Regeneration der Juden zu arbeiten beginnen lm übriger, erfreuen sich dort die Juden in der Athletik der größten, •n ihren Erfolgen wohl begründeten Wertschätzung. Der Meisterläufer Ungarns über Kurzstrecken, der .Meisterspringer Ungarns und überhaupt die Besten in diesen beiden Disziplinen dort sind Juden. Daß die Juden gerade für diese Sportzweige besonderes Talent zeigen, ist leicht erklärlich. Der Kurzstreckenlauf wie auch der Sprung erfordern wie keine andere leichtathletische Disziplin rascheste Konzentration der ganzen Energie, plötzliches, vollstes Wirken aller arbeitsbereiten Kräfte. Die heutige Generation der Juden verwertet die Energie und die Konzentrationsfähigkeit, die ihre Ahnen •m Jahrhunderte langen Lebenskämpfe sich erwerben mußten, nicht nur in geistiger, sondern eben jetzt auch in körperlicher Beziehung. Bei den anderen Disziplinen, Laufen über längere Strecken, Wurfübungen, treten verschiedene Momente hinzu, die der Veranlagung der Juden weniger entgegenkommen: Beim Langstreckenlauf die Ausdauer, beim Wurf das Körpergewicht verbunden mit elastischer Behendigkeit und' ausdauernder Kraft. Sowohl körperliche Zähigkeit wie körperliche Geschicklichkeit bei größerem Körpergewichte sind dem Juden in dem für den Sportsman wünschenswerten Grade n°ch nicht eigen. Bei uns in Oesterreich steckt die jüdische Athletik noch in den Kinderschuhen und doch sind die bisher erzielten Leistungen sehr gute zu nennen. ®ef einigem Fleiße und genügender Unterstützung kann es bald gelingen, an ^fe »österreichische Klasse“ heranzukommen. Von den Wiener jüdischen Korporationen ist es bis vor kurzem vornehmlich der Sportklub Hakoah gewesert, bei dem die Athletik die spezielle Pflege fand. Die Sektion ist erst ein halbes ■•ehr alt, hat aber schon überaus befriedigende Erfolge zu verzeichnen. Sie gewann lm August v. J. gegen starke Konkurrenz den Neunkampf der zweitklassigen Spielabteilung, beim jüdischen Turn- und Sportfest den Vereinsfünfkampf und den Dreikampf und schnitt bei mehreren in Wien veranstalteten Meetings recht günstig ab. Gegen Ende der Saison trat die Hakoah