Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 120 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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120 No. 4 für deren olympische Spiele. Zu König Salomons Tagen wurden körperliche Uebungen mit großer Sorgfalt und in hervorragender Weise gepflegt; ja es wurde in dieser Zeit auf sportliche und kriegerische Leistungen mehr Gewicht gelegt, als auf biblisches Wissen. Bis in die Zeit Zedekias wurden allerorts von Juden große so geartete Spiele veranstaltet und gehörten zu den regelmäßigen Volksfeierlichkeiten. Mit Stolz nennen wir den berühmtesten Spieler und Kriegskämpfer der alten Zeit Bar Kochba. Als die Griechen ihre olympischen Spiele bereiteten, da war das Volk der Juden von inneren und äußeren Zwistigkeiten zerwühlt und ging seinem Verfalle entgegen. Es kam für die Juden die Zeit der Leiden, der Mißachtung und der Verhöhnung. So hören wir, daß einmal zur Belustigung 'des Volkes Juden in das Stadion gejagt wurden und dort untereinander Wettkämpfe austragen mußten. Während im Mittelalter Deutsche und viele andere Völker, in mächtiger Entwicklung ihres Stammes, Kraft und Mut in Kriegen ei probten und betätigten, stak der Jude im Ghetto und unternahm es kaum, sich gegen die Angriffe seiner Feinde zur Wehr zu setzen. Einen gebeugten Rücken und schlaffe Arme erwarb er, und man wählte gerne seine Körperkonstitution zur Zielscheibe des Spottes. Von einer körperlichen Betätigung der Juden fand sich natürlich keine Spur. Die letzten 150 Jahre brachten im Gefolge der Emanzipation der Juden, als praktische Konsequenz des Gesetzes von den gleichen Menschenrechten, mit dem Umschwung im allgemeinen Leben der Juden auch eine Aenderung Im Verhalten derselben zu Turnen und Sport. Die Juden paßten sich eben in allem, soweit ihnen die Möglichkeit geboten wurde, den gerade üblichen Gebräuchen an. — Das Turnen bildet die unerläßlichste und wichtigste Voraussetzung für die Leichtathletik. Dieser Behauptung gibt die ganze Entwicklung der Leichtathletik recht. Man kann dies sowohl bei der griechischen Athletik beobachten, welche sich aus dem Turnen (gr. „gymnäsion") entwickelte, als auch in der neuesten Zeit bei der deutschen Athletik. Der Begeisterung, mit welcher die Turnideen Vater Jahns aufgenommen worden waren, folgte wenige Jahrzehnte darauf die hohe Blüte der Athletik in Deutschland. Wer nie geturnt hat, muß, selbst wenn er die besten Veranlagungen mitbringt, beim Beginne des Trainings angesichts der für ihn unerrejehbar scheinenden Höchstleistungen der anderen die Lust zur.Athletik verlieren. Dem Turnen kommt die Aufgabe zu, die Muskeln regelmäßig auszubilden und zu stärken, eine gewisse Behendigkeit des Körpers zu bewirken und damit die erste Grundlage zum Erlernen der Schwierigkeiten in den einzelnen leichtathletischen Disziplinen zu schaffen. Ein im Sport Ungeübter scheut vor der Konkurrenz zurück, (die ja nach dem heutigen Stande der Athletik das Ziel jedes Athleten darstellt) da er beim Turnen an keine Konurrenz zu denken genötigt und nur darauf bedacht ist, zu seiner eigenen Befriedigung seine körperliche Geschicklichkeit zu heben. Die jüdische Turn- und Sportbewegung folgte in ihrem Entwicklungsgänge der griechischen und deutschen. Mit dem wachsenden Durchdringen der sozialen Gleichberechtigung erlangten die Juden Gelegenheit zum Anschlüsse an die verschiedenartigen gesellschaftlichen und geselligen Vereinigungen der anderen und waren in allen diesen Korporationen den gegenseitigen, nachdrücklichsten Assimilierungsbestrebungen ausgesetzt. Doch nicht lange währte dieses Zusammensein von Juden und Nichtjuden. Ueffl