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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-07-01 · 4 (Juli 1914) · p. Seite 111

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
4 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 111 (sequence 9)
Language
German
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No. 4 111 Germanisierung dauerte aber nur so lange, bis auch die anderen Völker Westösterreichs, Insbesondere das tschechische Volk, die große Bedeutung des Turnwesens für die nationale Selbsterhaltung erkannten und dieser Erkenntnis Rechnung tragend sich eigene Turnvereine schufen. Im tschechischen „Sokol“ wurde das erste wirksame Bollwerk gegen die Germanisierung der Tchechen gelegt und bald entwickelte sich, wie bei den Deutschen, so auch bei den Tschechen die Institution, die zunächst nur die eigene Kultur und Nation Zusammenhalten und stärken sollte, zu einer scharfen Angriffswaffe im nationalen Kampfe. Heute können Wir bei allen westösterreichischen Nationalitäten diesen Entwicklungsgang der nationalen Turn- und Sportvereine als abgeschlossen betrachten und es ist uns auch schon möglich, ein historisches Urteil Uber die Bedeutung derselben für die betreffende Nation zu gewinnen. Sie sind die Grundfesten jeder nationaldemokratischen Entwicklung geworden und die ehernen Pfeiler, auf denen sich das moderne nationale Kulturgebäude aufbaut. Den Juden Westösterreichs war die Bedeutung der Turnerei für Gesundheit und körperliches Wohlergehen nicht entgangen und sobald sich ihnen die Möglichkeit bot, traten sie den bestehenden Turnvereinen bei, woselbst sie als wünschenswerte Assimilationsobjekte und als eifrige, wohlhabende Mitarbeiter bald geschätzt waren. So finden wir in allen nationalen Lagern Westösterreichs unter den Vorkämpfern des Turngedankens Juden, bis der liberalen Epoche in Westösterreich ein Ende gemacht wurde und mit dem Eindringen des Gedankens, daß die Juden Fremdlinge seien, ein langsames Hinausdrängen der Juden aus jenen Vereinen, welche Gewicht auf ihre nationale Reinheit und Wirksamkeit legten, erfolgte. Dieses Judenreinmachen der nationalen Turnvereine ist nunmehr fast ausnahmslos durchgesetzt, nicht zumindest selbst herbeigeführt durch unsere Judenheit, die durch das Anwachsen der nationalen Strömung im eigenen Lager bewogen wurde, sich von fremdnationalen Organisationen immer mehr zurückzuziehen und die endlich auch einzusehen beginnt, daß die Zugehörigkeit zu dem einen oder anderen nichtjüdischen Turnvereine, speziell in gemischtsprachigen Gebieten, das Judentum nicht nur kulturell sondern auch wirtschaftlich schwer schädigt. Während so die Juden Westösterelchs teils aus eigener Initiative, teils gedrängt durch antijüdische Tendenzen aus den Turnvereinen der anderen Nationalitäten allmählich schieden, den aber in fremdnationalen Vereinen gebliebenen jüdischen Turnern die ihnen trotz aller Zurücksetzung abverlangte Mitarbeit Immer lästiger fallen mußte, trat die neubegründete »Jüdische Turnerschaft“ werbend auf den Plan. Die Jüdische Turnerschaft hat, wie der Name schon voraussehen läßt, das Turnen als Mittel und die körperliche Kräftigung der Juden zur Stärkung der jüdischen Nation als Endziel in ihr Programm aufgenommen und von diesem Gesichtspunkte aus lassen sich nun die Aufgaben der Jüdischen Turnerschaft in Westösterreich am besten betrachten. Die Jüdische Turnerschaft hat nach ihrem Programm als Endzweck: die nationale Ei Ziehung der Juden. Diese Erziehungsaufgabe beschränkt sich nur scheinbar auf die leibliche Erziehung der Juden: In Wahrheit wirkt sie auch auf Seele und Cha-

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