Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 110 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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110 No. 4 — so städtischen Töchtern der Plantagenbesitzer in der öffentlichen Orangerie von Rischon mit dem Palmenkreuzgang und besuchten mit ihnen in Abendtoilette eine hebräische Theateraufführung im Beth-ha-am; und als uns der Rosch-ha-Waad*) dann fragte: „In welchem Dorf der Welt gibt es einen solchen Park und ein solches Leben?“ — antworteten wir überzeugt: „Nirgends!“ Nein, die freie Luft dieses jüdischen Palästinas gibt es nirgends zum zweitenmal auf der Welt. Und nirgends gibt es solch ein freies voraussetzungsloses Schaffen und Bauen an einem neuen sozialen Leben. Hier lassen sich Träume verwirklichen. Und keiner war schließlich unter uns, der nicht am liebsten im Lande geblieben wäre und sogleich dort mitgeholfen hätte an der Verwirklichung des genialen Künstlertraumes von einer jüdischen Zukunft. Die Aufgaben der Jüdischen Turnerschaft in W estöst erreich. Von Dr. S on n e n f e 1 d (Brünn). In keinem Lande wird die Bedeutung der nationalen Turnerschait so leicht anerkannt werden können, wie bei uns in Westösterreich. Hier, wo auf einem verhältnismäßig engen Territorium 8 Nationen aneinander schließen und zu immerwährenden nationalen Reibungen durch den nationalen Daseinskampf gezwungen werden, kann erst de: völkische Erziehungswert der Turrierei, der nationale Sicherungswert der Turnvereine zum Vorschein kommen. Wie im Staatenleben jeder Einzelstaat bemüht ist, aus dem allgemeinen wirtschaftlichen und kulturellen Wettstreite für sich selbst die größten Vorteile zu ziehen, seine politischen Grenzen auf Kosten der anderen Staaten zu erweitern, wobei die jeweilige militärische Machtentwicklung den Ausschlag für den politischen und damit auch wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg zu geben berufen ist, so sehen wir auch zwischen den einzelnen in Westösterreich lebenden Nationen auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens den heftigsten Kampf toben, können auch hier die Erscheinung beobachten, wie jede Nation ihr nationales Geltungsgebiet zu erweitern sucht und werden ferner den sicheren Nachweis erbringen können, daß die Stoßkraft der einzelnen Nation von ihrer Wehrkraft, von ihrer Organisation ln Turnverbänden abhängig ist. Die Organisierung nationaler Widerstandskraft und nationaler Eroberungsfähigkeit in den Turnverbänden der einzelnen Nationen Westösterreichs verleiht diesen Organisationen ihre große völkische Bedeutung. Um nur ein Beispiel anzuführen: Mit der Ausbreitung der deutschen Turnbewegung erstarkte in dem bisher feudal, anational regierten Oesterreich der Einfluß des deutschen Bürgertums. Mit der Zahl der deutschen Turnvereine stieg auch jährlich die Zahl germanisierter Staatsbürger, so daß es fast den Anschein hatte, als ob aus dem national zerklüfteten Westösterreich ein einheitlich deutsches Gebilde entstehen werde. Diese langsame *) Etwa Bürgermeister, erster Verwaltungsbeamter der Kolonie.