Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 112 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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112 No. 4 rakter. Körper und Geist sind nicht zu trennen: wenn der Körper gekräftigt wird, wird die Seele gestählt; wenn der Jude sich gewöhnt aufrecht zu gehen, hoch erhobenen Hauptes, dann wird auch gerader Sinn, Charakterfestigkeit den Grundzug seines inneren Menschen bilden. Nur wenn solche systematische, auf Körper und Charakter gleichmäßig wirkende Erziehung in dem vollen Bewußtsein geleitet wird, daß mit dem Körper jedes Juden gleichzeitig auch ein Teil unseres alten Volkes aufgerichtet wird, daß wir in jedem körperlich, geistig und moralich gekräftigten Juden einen starken Kämpfer für unser Volkstum gewinnen — wird erst jene nationale Erziehungsarbeit geleistet, die unserer Mühe wert ist und die bestimmt ist, unser Volk von dem Marasmus, der ihm innewohnt, zu befreien. Auf Körper und Geist muß unsere nationale Erziehungsarbeit gerichtet sein. Denn in dem schweren Kampfe der rivalisierenden Völker kommen wir mit seelischem Geistesadel allein nicht durch: wir müssen auch körperlich stark sein, damit wir den Anforderungen des uns umgebenden, auf uns cinstürmenden Daseinskampfes gewachsen sind. Die vorstehend besprochenen leitenden Grundgedanken werden ungefähr die Richtlinien für die Aufgaben der Jüdischen Turnerschaft bestimmen; diese selbst werden sich inzwei Gruppen teilen lassen, deren jede für sich von größter Bedeutung ist, die aber doch erst in ihrer zweckmäßigen Vereinigung das Endziel bedeuten können. Ich teile also diese Aufgaben in jene, welche aus dem Wesen der Turnerschaft im engsten Sinne folgen, und in jene, welche die Erziehung des Turners zur nationaljüdischen Persönlichkeit mit sich bringt. Es ist gewiß eine Binsenwahrheit, daß der eigendlichste Zweck jeder Tätigkeit in Turn- und Sportvereinen die Pflege des Körpers, die Hebung der Kraft und Ausdauer des Leibei ist. Diesem nächstliegenden Zwecke nachzukommen, wird also auch notwendige Pflicht unserer Turn- und Sportvereine sein. — Im folgenden will Ich in freier Folge und Auswahl nur kursorisch die aus diesem Zwecke entspringenden Aufgaben behandeln, da sie ja ohnehin ziemlich geläufig sein dürften. Zunächst scheint es mir die wichtigste Aufgabe der Vereinsleitungen für einen regelmäßigen Besuch der Uebungsstunden durch die Mitglieder zu sorgen. Nebst entsprechender mündlicher und schriftlicher Agitation wird wohl ein geregelter, anregender Turn- und Sportbetrieb am besten geeignet sein, selbst laue, bequeme Vereinsmitglieder zur Regelmäßigkeit bei den Uebungen zu erziehen. — Es wird also Sache der einzelnen Turnwarte, Vorturner und Sektionsleiter sein, die Teilnehmer bei den Uebungen folgerichtig zu unterstützen, sie anzuleiten, zu belehren und durch regelmäßige Anfeuerung auch den Aengstlichen zur Entfaltung seiner Kräfte zu bewegen. Es muß darauf gesehen werden, daß am Turnplätze Ruhe und Disziplin herrsche, wobei die Vorturner unbedingt mit gutem Beispiele vorangehen müssen. Ich sage Ja nur etwas Selbstverständliches, wenn Ich behaupte, daß die Erziehung guter Disziplin, die aber kein Duckmäusertum und Soldatendrill sein soll, die Grundlage jeder turnerischen und sportlichen Ausbildung ist. Ein allgemeines für alle unsere Vereine brauchbares Programm für den Turnbetrieb in den einzelnen Turnzeiten aufzustellen, ist unmöglich. Doch wird es nützlich sein, durch gemeinsame Vorturnerstunden einen Austausch