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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-07-01 · 4 (Juli 1914) · p. Seite 108

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
4 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 108 (sequence 6)
Language
German
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108 No. 4 kelt, die überall Beifall erntete, und die uns weder in der Ermüdung noch in der Weinseligkeit verließ. Freilich in Rosch-Pinah, Petach-Tlkwah und Jerusalem konnte man das auch, und die Maccabin machten uns in Erwiderung unserer Bemühungen manchmal erheblich Besseres vor. Gerade in diesen Orten befriedigte uns unser Auftreten gar nicht. Wir fühlten uns eigentlich verpflichtet, etwas vorzumachen, Rekordleistungen zu zeigen, zur Nacheiferung anzuspomen — und sahen uns zur Resignation verurteilt. Es wäre eine dankbare Aufgabe für eine gut geschulte Turnergruppe, auf der nächsten Fahrt ln Palästina zu wirken. Die Maccabin sind mit größtem Eifer bei der Arbeit und greifen jede Anregung auf. Aber so schön sie sind, und so sehr sie uns beliebt machen, unsere turnerischen Leistungen werden immer sehr von der zufälligen Zusammensetzung der Wandergruppe abhängig sein — und einfache Freiübungen ausgenommen, werden sie daher für den Charakter unserer Wanderfahrt keine ausschlaggebende Bedeutung gewinnen können. Um so größeres Gewicht haben wir darauf gelegt, überall nach außen als geschlossene Gruppe aufzutreten und ein Beispiel soldatischer Ordnung und Unterordnung in den jüdischen Siedelungen zu bieten. Im gleichen Schritt, unter hebräischen Liedern, begleitet von den vorangetragenen Mandolinen und Guitarren, so zogen wir in die Kolonien, in die Straßen von Jaffa, Haifa und Jerusalem ein. Der Bevölkerung war das nicht neu, aber sie erwartete es überall und hätte sich von einem ungeordneten Haufen müder, unter der Last des Rucksackes gebeugter Wanderer unmutig berührt gefühlt. Ueber uns freute sie sich und schloß aus unserer Wiederkehr auf die Stärke der Bewegung, die den bestehenden Siedlungen so viel neue hinzufügen will, daß jene nicht mehr versprengte und isolierte Vorposten, sondern den Mittelpunkt einer neuen jüdischen Welt bilden. Selbstzweck und bestes Mittel unserer Reise zugleich waren die Wanderungen, die uns im ersten Abschnitt der Fahrt durch ganz Ober- und Untergaliläa bis herauf nach Safed, nördlich des Tiberiassees, im zweiten Abschnitt die Küste entlang von Haifa nach Jaffa durch die großen Siedlungen Sichron-Jacob, Chederp, Petach-Tikwah und im dritten nach Jerusalem und Judaea führten. Durch die Wanderungen wurde täglich die ganze körperliche Energie eines kräftigen Menschen in Anspruch genommen. Denn es kam nicht allein darauf an, das Ziel zu erreichen, sondern am Ziel noch Aufmerksamkeit und Frische zu Besichtigungen und neschef’s*) zu zeigen. Unsere Zeit war überall kurz bemessen und auf den Tag der Ankunft folgte regelmäßig der Tag des Weitermarsches. Die Märsche dauerten etwa zu einem Drittel zwei bis drei Stunden, zu einem Drittel vier bis fünf Stunden und zu einem Drittel waren es Tagesmärsche von sieben, acht, neun und zehn Stunden! Die äußeren Bedingungen, Weg, Witterung, sind durchschnittlich viel schwieriger als in Deutschland. Es gibt nur Landstraßen in der Ebene« deren Staub bei Hitze**) und deren Schlamm bei Regenwetter***) die Ausdauer kräftig angreifen. In Galiläa freilich hatten wir fast überall einen prachtvollen steinigen Felsweg. Die Witterung war bis auf einige Tage *) Festlichkeit mit Tanz und Gesangl **) Zwischen Rechobot und Rischon le Zion, wo jetzt die erste Chaussee gebaut wird. ***) Zwischen Chedera und Petach-Tlkwah.

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