Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 107 Nicht nur, weil wir, wie schon die ersten Wanderer, überall als jüdische Turner aufgetreten sind, als solche auch bei den palästinensischen Maccabim gemeldet waren, sondern vielmehr wegen der Art, wie wir diese einmal übernommene schwierige Rolle durchzuführen versucht haben. Bei der Abfahrt fanden sich auf dem Dampfer viele turnerisch ungeschulte Teilnehmer zusammen, darunter solche, die niemals turnen gelernt hatten, denen der Begriff einer geraden Haltung ebenso fehlte, wie diese selbst, die nicht im Gleichschritt gehen konnten und dem Zuruf des Vorturners: „Links .... links . . . .!“ nur die entrüstete Antwort entgegensetzten: „Man könne doch nicht allein auf dem linken Fuße gehen.“ Und wir wollten als jüdische Turner auftreten und durch unser Beispiel für die jüdische Turnsache werben und wirkenl Da galt es, bald und entschlossen zu beginnen. Die wenigen schönen Stunden der Ueberfahrt wurden durch eine summarische Einzelausbildung und Durcharbeitung der Wanderfahrer ausgefüllt. Um den Turnleiter Davidsohn scharten sich einige improvisierte Vorturner und arbeiteten, wie es etwa nötig ist, um 30 Ersatzreservisten iii zwei Tagen kriegstüchtig zu machen. Einige standen nebeneinander und lernten Richtung nehmen, andere lagen auf dem Bauch und kräftigten in vielfachen Beugen und Stemmen ihre Arme, wieder andere gingen im Laufschritt über Deck, die Elitegruppe hatte sich bald kristallisiert und übte populäre turnerische Volksbelustigungen, wie den noch aus dem Vorjahr in Palästina beliebten „Hahnenkampf“ oder das »Karussel“, auch Aufzug und Ueberschlag an einem aus Turnerarmen gebildeten Reck. Bald wurde die erste Spreu von dem Weizen geschieden, d. h. die jeder turnerischen Aubildung unzugänglichen Fahrtgenossen erhielten von den ersten gemeinschaftlichen Freiübungen Dispens, nachdem sie sich in grader, aufrechter Haltung, im Gleichschritt und In der Unterwerfung unter die Kommandogewalt des Fahrtleiters genügend ausgebildet hatten. Am dritten Tage wurde unserm Wirken durch höhere Gewalt ein Ziel gesetzt: Das Meer begann Riesenwellen zu machen, und diese Konkurrenz setzte uns matt, in verschiedenen Abstufungen natürlich. Im allgemeinen, kann man vom festen Boden aus sagen, spottete das unturnerische Benehmen der meisten Wanderfahrer beim ersten Seegang jeder Beschreibung. Schon in Kairo wurden wir aufgefordert zu turnen. Da es sich aber infolge eines sonst sehr reichhaltigen Abendprogramms vermelden ließ, verzichteten wir gern darauf, uns ln halbfertigem Zustande zu zeigen, und erhielten dadurch unser Renommd. In Jaffa gelang es uns bereits, bei unserem geschlossenen Durchzug durch die engen Gassen die staunenden Araber zu dem Ausruf zu veranlassen: „Deutsche Soldaten!“ Die Erklärung hierfür fanden wir erst einige Tage später beim Anblick eines türkischen Kompagnieexerzierens, zu dem einige Leute auf Strümpfen, andere in Schuhen, einige in Waffenrack, andere in Hemdsärmeln herausgetreten waren, wo auch sonst das individuelle Belieben höchste Triumphe feierte. In Haifa waren wir immerhin so weit, daß wir auf einem gemeinschaftlichen Ausflug mit unserer hebräischen Mittelschule die elngeübten Freiübungen vorführen konnten, ohne uns zu blamieren. Die Freiübungen waren schwierig und eindrucksvoll, und da wir oft Geiegenheit hatten, uns damit zu zeigen, da wir bald wegen des meist geringen uns zur Verfügung stehenden Raumes eine weitere Ausscheidung der Teilnehmer vornehmen mußten, brachten wir es darin zu einer gewissen Fertig-.