Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 3 (Mai/Juni 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 91 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492379-5965026-5965367--418-4922598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No 3 91 Zwei Namen sind mit der Gründungsgeschichte unseres Turnvereins innig verknüpft! Herr Bernhard Neumann, der damalige Obmann des „Zion" war es, dessen Tatkraft die ersten unsicheren Schritte der jungen Gründung lenkte, dessen erfahrenem Rate sie viel zu danken hatte. Und wenn diese Gehversuche gar bald zu sicheren Schritten wurden, wenn bereits bei der gründenden Versammlung der Bestand des Vereines gewährleistet werden konnte, so gebührt der Dank der opferfreudigen Tätigkeit unseres Siegmund Leicht, der nun als wohlbestallter Doktor der Heilkunde in Mähr.-Ostrau schmerzlos Zähne zieht. Sein Referat in der gründenden Versammlung, vor dreißig Gleichgestimmten gehalten, war die erste offizielle Kundgebung der Jüdischen Turnerschaft von Graz. Noch waren wir keine „Turner“; wenn aber 30 junge volksbewußte Juden turnen wollen, dann darf es auch kein Hindernis geben. Wir zogen •n den Turnsaal der jüdischen Kultusgemeinde ein. Ihr sei für die verständnisvolle Förderung unseres Werkes, für die wahrhaft großzügige Unterstützung unserer Bestrebungen an dieser Stelle herzlichster Dank gesagt! Nun gings an die „Arbeit“. Bald hatten wir uns in die freigewollte Disziplin hineingefunden, bald die ersten sichtbaren Fortschritte unter der tüchtigen Leitung unseres wackeren Windecker zu verzeichnen gehabt. In wenigen Wochen schon waren wir dem Verbände der „Jüdischen Turnerschaft“ angegliedert und kurz darauf durften wir auch die Gründung einer Damenriege verzeichnen. Die turnerische Ausbildung der Mitglieder schritt tüchtig weiter. Das erste Gründungsfest des Vereines (22. Oktober 1905). größte aller bisherigen jüdischen Veranstaltungen ln Graz, die bereits das Können unserer Musterriege zeigte, war wohl der sprechendste Beweis hierfür. Schon in der ersten ordentlichen Hauptversammlung (2. September 1905) konnte der Schriftführer die Erfolge der Vereinigung auf turnerischem und nationalem Gebiete würdigen. Ermutigt durch solche Erfolge, beschloß der Verein die Gründung einer Altherrenriege; sie brachte uns die Erkenntnis, daß der Gedanke erst dann at werden könnte, wenn die „alten Herren“ dereinst junge Mitglieder des deines gewesen sein weiden. Das große Ziel, die Pflege der Leibesübungen als Volkssache, verlor le Leitung niemals aus den Augen. Der Turnverein begann im jüdischen eben unserer kleinen Gemeinde eine wichtige Stelle einzunehmen. Auch as Band, das uns mit der „Jüdischen Turnerschaft“ verknüpfte, wurde ein romer festeres. Mit vollem Rechte durfte der neugewählte Obmann in der fitten Hauptversammlung des Vereines (16. Juni 1906) seinem Vorgänger 9nd den übrigen Mitgliedern des Ausschusses den Dank aller aussprechen. ab das erste Sohauturnen des Vereines den Beweis für die turnerische . ashHdung und nationale Gesinnung unserer Mannschaft, so durfte wohl das ' craus gelungene Purimfest (Mürz 1906) als Zeichen jüdischer Geselligkeit Tkesprochen werden. So steuerten wir ins dritte Jahr hinüber. Schon im August 1907 beim fsten Wetturnen konnten unsere Mitglieder ln friedlichem Kampfe ihre rafte messen. Das dritte Gründungsfest (Oktober 1907) legte Zeugnis ab von *m ^deutenden Aufschwünge in der turnerischen Ausbildung unserer Miteder. Denn auch im Sommer, der Ferienzeit, wurde nicht gerastet. Boten oc" anserc Ausflüge und Bergpartien (wie schön waren sie) erwünschte Ge-