Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 3 (Mai/Juni 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 85 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 85 Verständnis zumuten für so ernste Probleme, wie sie die Judenfrage entwickelt. „Wem die Jugend gehört, dem gehört die Zukunft.“ Das heißt aber auch, erst versichere dich der Jugend und dann zeige ihr die Zukunft, die sie erobern soll. * Und wenn wir wieder betroffen fragen werden: warum tcehört die Jugend nicht uns? dann mögen wir wissen, daß wir den umgekehrten Weg gegangen sind, weil wir, unserer eigenen Jugend vergessend, es übersehen haben, daß der jüdische Kopf, wie leider allzu oft, so auch diesmal das jüdische Merz verdrängt. Dieses Herz zu erobern, der Jugend überreiches Empfinden und Wollen ansprechen, heißt, sich der Jugend versichern. Ihre Energien zu steigern, in erhöhter Frische zu konservieren und ihre geeignete Ausdrucksform vorzubereiten, heißt eine Jugend Kewinnen, der das jüdische Problem mehr wird, denn ein abwechslungsreiches Schlagwort. Der Erfolg allerdings bleibt einer Methode Vorbehalten, die verständnisvoll den natürlichen Instinkt der Jugend zu nutzen weiß. Unsere jüdische Turnbewegung möge die Bedeutung dieser Aufgabe nicht gar zu bescheiden nehmen. Ihre körper- und seelenformenden Tendenzen sind für die intellektuellen Grundsätze des Individuums durchaus nicht ohne Belang. Oder sollten Kraftbewußtsein und Selbstvertrauen, das der Junge aus unserem jüdischen Milieu schöpft, sollten Mut und Tatbereitschaft, erzeugt und empfangen nach jüdischem Vorbilde, in ihm nicht heftigen Widerspruch, wecken gegen die ihm allseits imputierte Inferiorität seines Volkes? Die Verachtung der Feigheit und des Knechtsinns, gepaart mit dem'Stoz des Erfolges, muß sie uns nicht, da wir sie systematisch gestalten, als eine neue Lebensanschauung erscheinen, ohne die unsere nationalen Prinzipien der nötigsten Keimkraft entbehren? Der Judenjunge aber, der nicht in gedrückter Resignation dem Kraftbewußtsein seiner nichtjüdischen Kameraden weichen muß, sondern in einer jüdischen Umgebung seine besten Kräfte nutzt, in einem jüdischen Kreise in seinem Sinne sich ausleben darf, wird diesem jüdischen Milieu nicht entwachsen. Das Bewußtsein, Him seine unterschiedliche Individualität zu verdanken, läßt ihn so zur Judenfrage in ein gesundes Verhältnis treten, dem nicht phraseologischer Zwang, sondern ein frohes Wollen seine einzig wertvolle Legitimität sichert. In eine Zeit, die dem reifen Jüngling naturgemäß das Bedürfnis aufdrängt nach einer geklärten Stellungnahme zu ferneren Problemen, in Tage keimender Einsicht, da ihm das Problem der Judenfrage, nicht erst konstruiert und deren Theorie seinem Geistesleben künstlich eingefügt werden muß. Denn in seiner gewölbten Brust schlägt ein Herz, das voll ward von warmem Gefühle für sein Judentum, sein selbstbewußter Charakter weicht nicht feige vor den ersten Hemmnissen dieser Frage und seine gestählte Faust hat sich schon hundertemale gekrampft im Kampfe gegen schwergefühlte Verachtung und Anfeindung seines völkischen Empfindens. Sein Judentum wird ihm nicht bewußt aus dem Gefühl seiner Schwäche; an seinem Krafibewuitsein und seiner Tatüereitschaft wächst die RealislerungsfUUe jener Theorien, deren Geltung ®r in einer starken jüdischen Gemeinschaft bereits ahnen mußte, aus der er das Verlangen Schöpfte nach einer endlichen Aussprache mit den ernsten Fragen seiner ihm lieb gewordenen Umgebung. Wenn die jüdische Turnbewegung es bis nun übersehen hat, daß der Methodische, gründliche Ausbau unseres Jugendturnens ihre eigensten Interessen am ehesten zu stärken geeignet ist, dann mögen die eben entwickelten Grundsätze als förderndes Motiv ihren mangelhaften Existenztrieb ergänzen. r"ser Kinderturnen muß auf der breitesten Basis entwickelt werden! Das Zöglingstur nen muß seine unter-