Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 3 (Mai/Juni 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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84 No. 3 seits denkt die Bundesleitung nicht daran, die persönliche Freiheit der einzelnen Wandervogelvereine einzuschränken. Sie lehnt es also entschieden ab, da einzugreifen, wo eine Ortsgruppe von Fall zu Fall durch Mehrheitsbeschluß die Aufnahme von Juden ablehnt, etwa weil besonders ausgeprägte Rasseneigentümlichkeiten mit der Art des „Wandervogels", die aus dem Tiefsten des deutschen Wesens hervorgegangen ist und in der deutschen Vergangenheit wurzelt, unerträglich erscheinen." Wer diese Resolution verstehen will, dem braucht sie gewiß nicht erklärt zu werden. Vielleicht wird jetzt auch der Zentralverein für jüdische Wanderorganisationen sein. Der richtige Geist kann dort natürlich nur herrschen, wenn die Kinder wissen, daß die „Rückkehr ins Ghetto“ keine „freiwillige“, sondern eine unfreiwillige war. Wir aber heben immer wieder hervor: Der Jüdische Wanderbund „Blau-Weiß“ in Breslau und Berlin bestand längst, bevor sich die ersten Anfänge der Wandervogelaftäre zeigten, — jener Affäre, die das deutsche Judentum aus seinen Illusionen reißen könnte, wenn es an seiner geistigen Befreiung ein Interesse hätte. Felix Rosenblüth (Berlin). Die organisatorische Bedeutung unseres Jugendturnens. (Fortsetzung.) Die Jugend ist durch Theorien nicht zu gewinnen und soll eS auch nicht sein. Unsere jüdischnationalen Organisatoren müssen sich endlich darüber klar werden, daß nicht die Theorie als solche, sondern das Verständnis der Jugend, das Fühlen für sie des Volkes wertvollster Besitz ist- Eine tatenhungrige Jugend mit halbverstandenen Problemen sättigen, heißt ihren Drang nach Erlebnissen, ihre ureigensten Triebe verkümmern lassen- Eine so geartete oder besser: entartete Jugend verliert nur allzu leicht die Kontrolle über ein gelerntes Empfinden und vergibt, allzu früh gealtert, späterhin besser nutzbare Energien. Die bis nun beobachtete Lehrmethode in zionistischen Semb naren und Vortragszyklen scheint unserer Jugend nicht sonderlich behagt zu haben. Oder doch? Reihte sie die hierdurch erworbenen —ismen im Glauben ihrer erhöhten Würde an das übrige gleich erworbene Scheinwissen? Oder dürfen wir noch hoffen, daß der gesunde Sinn der jüdischen Jugend diesem Gewissenszwang standhielt und sich nicht überlud mit Problemen, für die ihr Herz nur ein geringes Wollen erübrigter Geben wir dieser Hoffnung ehrlich und mit dem Freimute des einsichtig®8 Bekenners Raum. Erinnern wir uns an die Tages des Zweifelns, denk®8 wir der Vielen, deren offizieller Zionismus trotz Seminarien und VoftPÄg* spurlos verschwand, well sich kein Lehrer fand, der mehr verlangte als *«J äußeres Bekenntnis! Denken wir an die Stunden öder Leere, die uns b® den Worten der verschiedensten Redner befiel, weil ihre Bücke zwar in dl Zukunft des jüdischen Volkes, ihre Worte aber nicht in die Herz®8 der jüdischen Jugend drangen. Und dann sagen wir uns: gehört diese Jugend uns, waren das jene gefühlswarmen, ideentreuen Menschendenen die Theorie Bedürfnis, das Bedürfnis aber nicht Theorie sein sollte Und ist sie es heute? Können wir einer Jugend, deren Empfinden ftt ein® meist völlig fremden Konvention geschult wurde, das varaussetzungsvoi