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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-05-01 · 3 (Mai/Juni 1914) · p. Seite 81

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
3 (Mai/Juni 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 81 (sequence 11)
Language
German
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ist, daß das Hebräische aber auch ein Teil werde unserer selbst, ein Ausdrucksmittei für alles das, was an Jüdischem in uns ist, daß wir leben in unserer Sprache und daß unsere Sprache in uns lebt. — Und nun, wenn wir etwa „auf Grund von Mitteilungen aus Konstantinopel“ das Hebräische in unsere Turnvereine unter den oben geschilderten Verhältnissen einführen, wird es dann leben in uns? Nein. Man erweckt einen Toten nicht aus seinem Schlafe, wenn man ihm eine mechanische Vorrichtung einsetzt, damit er seine Glieder wieder bewege, damit man glaube, er lebe, wenn man nicht genau hinschaut. Nicht das ist die Renaissance, die wir wollen. — Man pflegt bei uns Juden, schon wenn die kleinen Kinder kaum das Sprechen gelernt haben, sie mit dem Wortlaute der hebräischen Gebete vertraut zu machen, ohne daß sie deren Inhalt verstehen; doch das ist nur ein Mittel zum Zweck. Später, wenn mit den Jahren auch der Verstand und das Wissen erwachen, wird' das Kind diese hebräischen Gebete, — das erste Jüdische, das man ihm gab — die es nun vers.teht, lieben lernen. Aber ach, so mancher steht in unseren Synagogen, der nichts versteht. Er weiß zwar, daß die hebräischen Worte, die er sagt, Gebete sind, er kann auch am Wortlaute die Schmone esre vom Schma unterscheiden, kennt vielleicht ihren ungefähren Inhalt, jedoch iedes Wort in seiner ganzen Tragweite und das Ganze in all seiner Schönheit und Größe erfassen, das kann er nicht. — Und so wird es sein bei der Einführung der hebräischen Kommandosprache in Westeuropa. Gewiß, lernen werden wir die hebräischen Kommandos, die uns unser Bruder im Orient hübsch in deutscher Schrift mit der Schreibmaschine geschrieben als Drucksache übersendet, verstehen werden wir sie nicht. Wir werden auf den Befehl des Vorturners reagieren, wie die Maschine auf einen Hebeldruck. Aber, wenn einmal ein Wörtchen fehlt im Vokabularium, nach welchem der nicht hebräisch sprechende, sondern nur kommandierende Vorturner seine nicht hebräisch sprechenden Turner leitet, wenn er auf „Haromäth hajadäjim -t Arme heben", um die Haltung der Turner zu korrigieren, ein „Arme gestreckt“ folgen lassen muß, — nun, so wird er eben, da er ja den hebräischen Ausdruck nicht gelernt hat, ganz einfach deutsch oder tschechisch weiter kommandieren. Was tuts. Das ist den Turnern ja ohnedies viel lieber. — wird uns das Hebräische wieder etwas Totes sein. Aber, man ist als Turner an Disziplin gewöhnt, der Turntag, der Kreisausschuß oder der Vorstand hats beschlossen, folglich muß man gehorchen. So wird uns diese Sprache zu einer Last, an der man schleppt — nicht zu einem Schatz, den tian hegt und pflegt — und die man, hinderte nicht eben dieses Gefühl für Disziplin, abwerfen würde, wie man in liberalen Synagogengemeinden sich von der hebräischen Gebetsprache losgesagt hat. Das Gegenteil von dem. Was wir wollten, haben wir dann erreicht, wir wollten eine Belebung der Sprache, eine Erstarkung des jüdischen Inhalts unseres Turnens. Hebräisch ist uns wieder eine tote Sprache, und eine tote Sprache wird sicher nicht belebend auf den frisch-fröhlichen Geist, der bei uns herrschen soll, einwirken. — Einen Einwand wird man jedoch gegen diese Ausführungen erheben können. Man wird fragen: Wird nicht gerade'das hebräische Kommando unsere jungen Leute dazu veranlassen, das Hebräische zu erlernen? Wird nibht die Menge unserer Turner, die noch niemals mit dem Hebräischen in Berührung gekommen ist, dazu getrieben werden, diese Sprache zu erlernen,

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