Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 3 (Mai/Juni 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 80 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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80 No. 3 untersuchen, um die Durchführbarkeit dieses Planes festzustellen, zunächst einmal, wieweit unsere Turner mit der nationalen Sprache des jüdischen Volkes vertraut sind. — Wir werden wohl folgendes feststellen können: Der größere Teil unserer Mitglieder ist mit dem Hebräischen noch niemals in engere Fühlung getreten, viele werden kaum das Hebräische lesen können, vom Verstehen oder Sprechen ganz zu schweigen. Zwar diejenigen, die eine jüdisch-orthodoxe Schule durchgemacht oder einen Religionsunterricht nach altem Muster genossen haben urld vielleicht mehrere Stunden in der Woche oder gar täglich Hebräisch in der Religionsstunde lernten, sind nicht ganz unbekannt mit' der Loschon hakodesch, der heiligen Sprache. Sie kennen den Geist der Sprache, sie wissen eine Menge Vokabeln, haben vielleicht Grammatik gelernt, zum mindesten lesen sie fließend Hebräisch, aber es ist nur potenzielle Energie, die bei ihnen angesammelt ist. Sie werden kaum den Sinn einer hebräischen Zeitungsnotiz erfassen, sie verstehen nicht genug „um in dieser Sprache ein Bahnbiliet zu verlangen". Aber man kann diesen Vorrat an Kenntnissen mobil machen, sie in lebende, praktische Sprache verwandeln. Das besorgt am besten ein moderner Sprachunterricht. Nach zwei Jahren, bei etwas gutem Willen, kann ein solcher Schüler es so weit gebracht haben, daß er sich gut und fließend über ein leichtes Thema unterhalten kann und auch wohl ein Referat oder leichte Lektüre versteht. — Wir kommen sodann zu einer dritten Kategorie von Turnern, zu denjenigen von uns, die aus Liebe zur alt-neuen Sprache unseres Volkes sich der Mühe unterziehen, Hebräisch zu lernen. — Nicht oft gelingt es. Gar mancher bleibt ermattet am Wege stehen, nachdem er sich eine zeitlang mit den etwas schwierigen Anfangsgründen des Hebräischen herumgeschlagen hat, die er, da ihm der Geist dieser Sprache ja ein völlig fremder ist, nur durch grammatische Regeln erfassen kann. Diejenigen, die hinwegkommen Über die ersten Schwierigkeiten, werden bald für ihre Mühe reichlich entschädigt, wenn sie den ungeheuren Schatz finden, den unser Volk in dieser Sprache zusammengetragen hat, wenn sie unsere große, alte Literatur lesen und verstehen können und ihnen auch die Erstlingsfriichte der jüdischen Renaissance nahegebracht sind. Ihnen wird auch das hebräische Kommando dann nichts Fremdes sein. Mit diesen drei Kategorien haben wir zu rechnen, jedoch unsere Turner verteilen sich nicht etwa gleichmäßig auf sie. Man wird wohl kaum fern* gehen, wenn man der dritten höchstens 10 pCt., der zweiten vielleicht 20 pCt- und der ersten die übrigen 70 pCt. zurechnet. Natürlich ist diese Schätzung eine sehr oberflächliche, da selbstverständlich mit dem Orte auch wohl die Zahl derer, die mit dem Hebräischen bekannt sind, wechselt. Immer aber verschieben sich bei unseren Turnabteilungen diese Rollen ganz bedeuten zugunsten der erstaufgeführten Klasse. . Kann man unter solchen Verhältnissen die hebräische Kommando- Sprache einführen? Was wollen wir denn mit dieser Einführung? Wir wollen, daß d e Sprache, die die Sprache unseres Volkes sein sollte, uns jüdischen Turnern, „ob auch in West, Nord und Süden, ob im Osten die Wiege uns stand unserer aller Sprache werde, daß wir voll und ganz ein Teil werden unseres Volkes und das können wir nur, wenn uns auch seine Sprache keine freflw