Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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68 No. 2 wie verkehrt die Anschauung ist, daß sich der Verteidiger nur auf die Verteidigung zu beschränken habe. Ein Verteidiger und der Torwart genügen in solchen Fällen als letzte Reserve vollkommen. Nichtsdestoweniger hat sich natürlich die Haupttätigkeit des Verteidigers in der eigenen Spielhälfte und in der Nähe des Tores abzuspielen. Er hat im Moment der Gefahr einzugreifen; und das besagt zur Genüge, daß ruhiges Blut und Geistesgegenwart die Eigenschaften sind, die man in allererster Linie vom Verteidiger zu fordern hat. Natürlich mag es Spiellagen geben, in denen ein weiter Schuß „ins Blaue hinein“ geschossen, von Nutzen ist, aber in der Mehrzahl der Fälle gilt auch für den Verteidiger die Regel, daß ein weniger weiter, mit Ueberlegung nach vorne gegebener Ball mehr wert ist. Mag auch die Galerie den wüsten Schlägen Geschmack abgewinnen und ihnen Beifall zollen, die Mannschaft selbst wird dann merken, daß sie sich sehr bald wieder in genau derselben Lage befindet, aus der sie sich soeben durch den „Bombenschuß“ des Verteidigers befreit glaubte. Der Verteidiger soll weiterhin bei seinem Spiel unter keinen Umständen ein Risiko eingehen, das er vermeiden ka'nn. Der Stürmer hat seine Läuferreihe, und diese die Verteidigung hinter sich, die etwaige Fehler gutmachen kann, aber auf den Torwart darf sich der Verteidiger nicht verlassen, er muß ständig das Gefühl haben, daß er letzte Linie der Verteidigung ist, und ein rettendes Eingreifen des Torwächters als unverhofftes Glück zu schätzen wissen. Ist es noch möglich, einen Ball zu stoppen, so därf er nicht aus der Luft gestoßen werden. Köpfen soll der Verteidiger einen Ball nur dann, wenn er dem Fuß nicht mehr erreichbar ist. Mehr denn alle anderen Spieler hat der Verteidiger auch hier der Versuchung „für die Galerie“ zu spielen, zu widerstehen .Schnelle Entscheidungen werden von ihm verlangt: Der Gegner hat mit dem Ball die Läuferreihe durchbrochen und der Verteidiger muß elngreifen. Da heißt es denn: unmittelbar auf den Ball oder den Versuch gewagt, den Gegner abzudrängen, um dann mit größerer Ruhe schießen z» können oder auch den Gegner zu einem unbedachten Schuß aufs Tor zu verleiten. Die Stellung der eigenen und die der gegnerischen Spieler sowie noch andere Umstände sind für diese Entscheidung, die blitzschnell getroffen werden muß, maßgeblich. Hat man es aber mit zwei oder mehr Spielern aut einmal zu tun, so vervielfältigt sich natürlich die Schwierigkeit der Aufgabe) und als einziger Ausweg bleibt der Angriff auf den Ball, da, der eine Stürmer, wenn er bedrängt wird, dann ]a immer -noch die Möglichkeit hat, einen) anderen ungedeckten zuzuspielen. Ganz nahe vor dem Tor aber ist es immer richtiger, den inneren Mann aufs Korn zu nehmen, aus dem einfachen Grunde, weil es leichter ist, von vorn ins Tor zu schießen, als von der Seite. Bisher ist immer nur die Rede vom Spiel des einzelnen Mannes in der Verteidigung gewesen. Der rechte Verteidiger wird aber In allen seinen Maßnahmen immer nur als Glied der Mannschaft zu verstehen sein, und insbesondere wird er mit seinem Mitverteidiger und dem Torwart einen engeren Verband bilden. So müssen die Verteidiger fast immer Zusammenwirken. Kann dtf eine den Ball nicht fassen, so wird er wenigstens die Möglichkeit haben, den Gegner zu blockieren und dem anderen den Ball zu lassen. Ist der Verteidiger bedrängt, so kann er unter Umständen den Ball seinem Kameraden rückgeben. Dieses etwas riskante Manöver ist aber nur dann zu pmpfehlen» wenn kein ariderer Gegner in der Nähe des Balles Ist. Noch gefährlicher