Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 58 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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58 No. 2 Schon heute am Vortage zeigte sich ein lebhaftes Gewimmel. Die Makkabim übten noch einmal ihre Gerät- und Freiübungen in den einzelnen Vereinen und wurden dann von Orloff zu einer Generalprobe zusammengenommen. Die Fußballgruppen fochten die ersten Vorkämpfe aus, die Reiter führten ihre Pferde vor, waren stolz, wenn sie bewundert wurden und liefen einige Privatrennen untereinander. Es ist eine Lust, die feurigen, gutgebauten Tiere und' die schneidigen Reiter zu sehen, frische Jungen, Schomrim (Wächter) und Kolonistensohne, ein wildes, ungebärdiges Volk, denen die Freude am Reiten und Schießen aus den blanken Augen blitzt, wunderhübsch in ihrem schmucken weißen, weit über den Nacken fallenden Kopftuch, was sie von den Beduinen übernommen haben, weil es ebenso schön wie praktisch ist. Zum erstenmal hatte man auf Anregung des Koloniearztes Dr. Moskowitz, der die Organisation des ganzen Festes mit geschickter und energischer Hand leitet, eine Ausstellung von landwirtschaftlichen und industriellen Erzeugnissen versucht. Es war ein kleiner, aber wohlgelungener Anfang. Das Syndikat der Weinbauern hatte sein Zelt mit freiem Weinausschank, einzelne Kolonisten hatten besonders große, gut geratene Früchte ausgestellt, ein Holzwarenfabrikant zeigte sehr interessante Produkte der Verwendung des Eukalyptusholzes, ein Aussteller landwirtschaftliche Maschinen mit eigenen Erfindungen und Verbesserungen, die den Bedürfnissen des Landes angepaßt waren. Wir trafen noch alles in voller Vorbereitung an; die Frauen der leitenden Männer waren bemüht, die Ausstellungszelte mit dem Schmuck des Landes, mit Blüten und mit über mannsgroßen Palmblättern zu verschönern. Nicht ungern stellten wir beschäftigungslosen Ausstellungsbummler uns ihnen bei dieser Arbeit zur Verfügung. Es wurde auch nicht vergessen, für die leiblichen Bedürfnisse des kommenden Tages zu sorgen. Große Zelte wurden abgeschlagen, in denen es später Tee, den man dort trotz des guten Weines viel und leidenschaftlich gern trinkt, sowie Obst und mancherlei Speisen gab- Es lag eine Stimmung erwartungsvoller Vorfreude über dem Platz. Dann kam ein Abend, ein stiller, friedvoller, mondlos dunkler Dorfabend. Der nächste Tag enttäuschte die Erwartungen nicht. Schon früh strömten von allen Seiten große Massen Volkes zu Pferd, zu Esel und zu Wagen herbei. Bald sammelte sich eine zahlreiche Wagenburg auf der einen Seite des Fcstplatzes. Am stärksten wurde der Zufluß, als der Extrazug, den die Eisenbahn von Tel Awiw, dem jüdischen Viertel von Jaffa, aus eingelegt hatte, in Ramleh angekommen war und seine Insassen sich ln langer Kolonne heranwälzten. Viertausend Menschen bedeckten in unendlichem Gewimmel den Festplatz. Sehr viele Araber waren darunter, die mit unverhohlenem, schweigsamem Staunen das fremde Bild betrachteten. Ganz ungezwungen, wenn auch meist in geschlossenen Oruppen bewegten sich zahlreiche Jemeniten unter der fröhlichen Menge. Eine fleißige Kapelle ließ Ihre lustigen Welsen über das Feld hin ertönen. Wir trafen Bekannte aus dem ganzen Lande wieder, begrüßten uns mit ihnen voll herzlicher gegenseitiger Freude; es war, als ziehe die sechswöchige Fußwanderung noch einmal in wenigen Stunden an uns vorüber. Schon am frühen Morgen wären die Turner auf dem Platze. Der Makkabiverband von Palästina umfaßte damals 980 Turner (die Zahl ist in-