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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-03-01 · 2 (März/April 1914) · p. Seite 57

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
2 (März/April 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 57 (sequence 21)
Language
German
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No. 2 57 Turnen und Sport. Die Chagigah von Rechoboth. Von Julius Heilbrunn*) Ich hatte meinen Aufenthalt in Erez Israel (anläßlich der Turnfahrt 1913) um eine Woche über die geplante Zeit hinaus verlängert, um den Seder ln Jeruschalajim und die Chagigah in Rechoboth mitzuerleben. Ich habe den Entschluß nicht bereut. Ein freundlicher Zufall ließ mich auf dem Rückwege von Haifa nach Jerusalem das seltsame Peßachopfer der Samaritaner auf dem Berge Qarisim sehen, das wie eine tolle unwahrhaftige Phantasie in meiner Erinnerung steht. Welch bizarre Mischung von Urtradition und modernstem Geschäftsgeist! Die Samaritaner bringen seit zweitausend Jahren die Peßachwoche auf der Opferstätte in Zelten zu. Die Zelte vermieten ihnen Ihom. Cook Sons, wie riesige schwarze Lettern auf den weißen und bunten Zelttüchern verkünden. Der Seder in Jerusalem wich von keinem Seder irgend eines jüdischen Hauses in der ganzen Welt ab. Deutschland und England, Rußland und Afrika, Kanada und Australien hatten ihre Vertreter entsandt. Sie alle einte am Schluß das eine „Garn leschanah habaah bijruschalajim!" Der Weg nach Rechoboth führte mich über Ekron, das ich vordem n*cht gesehen hatte. Als wir kamen, traten gerade die Makkabim (Turner! an, um in frischem Marsch und mit frohem Lied nach Rechoboth zu ziehen. Es war eine Freude, die prächtigen Gestalten in guter Haltung, netter Tracht und in bester Stimmung auf diesem Boden und bei diesem Marsch zu treffen. ist an jenem Tage im ganzen Land aus den meisten jüdischen Kolonien die Jungmannschaft aufgebrochen, um auf dem Festplatz im männlichen Kampfspiel die Kräfte zu messen. Manche kamen auch durch Kolonien, die j*eine Makkabim zu entsenden hatten. Dieser Durchmarsch verfehlte seine Wirkung nicht. Beschämt stand in selchen Plätzen die Jugend dabei; man 'st sofort daran gegangen, neue Vereine zu gründen oder schwach gewordene "eu zu beleben. Am Tage vor der Feier trafen wir in Rechoboth ein, das uns schon vordem lieb geworden war, weil es am stärksten den gesunden Geist des uuuen freien jüdischen Jischub und wirtschaftliche Selbständigkeit ernennen ließ. Mit Mühe fanden wir ein bescheidenes Unterkommen. In beiden Hotels War alles überfüllt, und es bedurfte eifrigen Zuredens, bis wir einen Wirt belegen konnten, uns noch aufzunehmen. Dann gingen wir, so schnell es der Sand der Straßen erlaubte, zum Festplatz. Der Weg führt über die ■>Birkah“, das große Wasserreservoir auf der Höhe des den Ort beherrschen- ®n ®erses, der auch die schöne Synagoge und das Beth-Am (Volkshaus) fäst. Da oben sehen wir die ganze Ansiedlung vor uns ausgebreitet, die * ch teils in geschlossenen Straßenzügen, teils in einzelnen Gehöften über die e't ausladenden Hügel erstreckt. Am Horizont verliert sich der Blick im ranz der ringsumher liegenden reichen Orangenbojaren. Unmittelbar zu unseren Fiißen dehnte sich der Festplatz. *) AusCliad Gadja, Das P.s«nchbuch, von Hugo Hcrimann, Jüdischer Verlag

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