Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 45 betrieben haben, auf die Gesundheit ihrer Zöglinge einen direkt schädlichen önfluß ausübte. Das Gutachten der ärztlichen Kommission machte einen tiefen Eindruck auf die Leistungen einzelner Sportvereine und bewog sie, den Sportbetrieb in den ihnen untergeordneten Klubs im Sinne der ärztlichen Ratschläge zu reformieren. Alle unsere Bemühungen, jüdische Turn-, Sport- und Schomerleiter auszubilden, erwiesen sich als nicht zum erwünschten Ziele führende Halbbtittel. Ein einziger Weg blieb uns noch übrig: die unmittelbare Erziehung ~er Deligierten einzelner Kreisvereine auf einem Lehrkursus in Lemberg, ungeachtet der großen Schwierigkeit beschlossen wir, einen sechswöchigen Lehrerkursus zur Ausbildung jüdischer Leiter während der Ferialmonate in Lemberg zu veranstalten. Am 12. Juli 1913 wurde der Lehrerkursus im Saal des Turnvereins ,,Dror“ in Lemberg eröffnet. Am Kursus nahmen 25 Dellgierte einzelner Kreisvereine, und zwar 8 aus den Provinzstädten, 17 aus Lemberg, darunter *8 Herren und 7 Damen, teil. Sämtliche Deligierten aus der Provinz bekamen unentgeltliches Quartier, das durch unsere Kreisverbandskasse bezahlt wurde. Das Programm des Lehrerkursus bestand aus vier Hauptteilen: aus l der Medizin, 2. der Turnkunst, 3. dem Sport und 4. dem Schomer. Die Medizin trugen drei Aerzte vor: Herr Dr. Wensberg die Anatomie “bd die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen, Herr Dr. Brenner die ^nysiologie des menschlichen Körpers Im allgemeinen wie auch speziell Physiologie der Leibesübungen, Herr Dr. Bikeles die allgemeine Hygiene, "de auch die Hygiene der physischen Uebungen. Die medizinischen Vorfrage wurden durch genaue anatomische Tafeln und' ein zu diesem Zwecke ausgeliehenes Menschenskelett vortrefflich illustriert. n Die Turntheorie und Turnpraxis leitete der Turnlehrer des Turnvereins im 0I"i“ ln Hemberg InK- Deo Kroch. In diesem Teile berücksichtigten wir st ,.eichen Ma®e das schwedische und das deutsche Turnsystem. Anstelle der willkürlich, ohne genaue Kenntnis des menschlichen Körpers zuammengestellten freien Uebungen des deutschen Turnsystems führten wir te schwedischen Uebungen ein, welche imstande sind, alle Organe unseres li«kPers systematisch auszubilden; wir vernachlässigten jedoch nicht die ebungen an den deutschen Turngeräten. Seh ^ie Theorie und Praxis des Sports leitete der Turnbruder Ignatz nePs, die Theorie und Praxis des Schomersystems Turnbruder Mellech Fall. eint Ausnahme des Samstages war an allen Tagen folgende Stunden- ^teiiunjr obligatorisch: am Morgen von 7—9 praktische Turnübungen, von i me theoretischen Vorträge; nachmittags von 5—8 abwechselnd die praknen Sport- und Schomerübungen. Ueh angehenden Turnlehrer an die selbständige Leitung der Kom*B*en zu *ewöbnen> um ihnen die nötige Sicherheit des Auftretens beim mach n<*leren einer größeren Anzahl der übenden Turner zu eigen zu führ, ’ Wur<t*n Ihnen einzelne Turnabteilungen zur selbständigen Durch- Un* einer Turnstunde zugeteilt. 20 A,Uer Unterricht am Lehrerkursus dauerte vom 12, Juli bis zum den 2K *rt 1913: 8111 21-> 22., und 23. August fanden die Prüfungen statt. Von sjnd tf Teilnehmern wurden nur 17 zur Prüfung zugelassen, von diesen 17 MHl* iÜ.er 4 Teilnehmer, die nicht allseitig vorbereitet waren, selbst frel- (9 ahßetreten. Zur Lehrerprüfung meldeten sich daher nur 13 Kandidaten haben/811 und 4 Damen), die alle ohne Ausnahme die Prüfung bestanden