Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 No. 2 In einer ganzen Reihe von Turnvereinen fungierten nicht Juden als Turnlehrer, sondern Polen oder Ruthenen, es ist daher selbstverständlich, daß es diesen Leitern nicht möglich war, ihren Pflichten so gewissenhaft mit einer solchen Aufopferung nachzukommen, wie es ein jüdischer Lehrer getan hätte; um das Maß der schwachen Seiten unserer Organisation voll zu machen, hatten diese Turnlehrer, obwohl alle geprüft, mit wenigen Ausnahmen keine fachmännischen medizinisch-turnwissenschaftlichen Kenntnisse; bei der Leitung der Uebungen schablonenmäßige Routinisten ohne gründliche Kenntnis des schwedischen Turnsystems, erfreuten sie sich sehr oft auch als deutsche Turner nicht des besten Rufes. Diese Leiter fremder Nationalität haben sich selbstverständlich um die Entwicklung und Ausbildung jüdischer Lehrkräfte nicht bemüht. — Der Lehrer fremder Nationalität, abgesehen davon, daß er die Entwicklung unserer Vereine in fachmännischer Richtung nicht förderte, hemmte sogar die Tendenz unserer Organisationen zum reinnationalen Ausleben; unter seiner Leitung konnte natürlich von der Einführung der hebräischen Kommandosprache keine Rede sein. In den Städten, wo die fachmännische Leitung der Vereine in den Händen jüdischer Lehrer ruhte, war die Wirkung unserer theoretischen Ratschläge und eingesandten Handbücher weniger als befriedigend: unseren Turnbrüdern fehlte einerseits die zur mühevollen autodidakt'ischen Ausbildung notwendige Ausdauer, andererseits hatten auch die Leiter in einer Reihe neugegründeter Vereine nur eine sehr geringe Kenntnis der praktischen Uebungen. Auch in den Sportvereinen war die Situation nicht günstiger. Eine der schwächsten Seiten der Sportklubs war die einseitige Bevorzugung des Fußballspiels; die Leichtathletik war meist vollkommen vernachlässigt. Von der rationellen Ausbildung des gesamten menschlichen Organismus konnte so wie in den Turnvereinen auch hier nicht die Rede sein. Unsere erste Sorge war, die in den Sportklubs bereits eingewurzelte Anschauung über die Art und Weise wie der Sport betrieben wurde umz«“ ändern; da unsere wiederholten Berufungen und Hinweise auf die Ergebnisse der durch Prof. Dr. Sluzinski in den polnischen Sportvereinen durchgeführten ärztlichen Untersuchung erfolglos blieb, veranstalteten wir im Juli 1913 einet! „Jüdischen Sporttag“ in Lemberg. Das Programm des Sporttags sollten die leichtathletischen Wettkämpfe und ein Fußballmatch bilden. Den Sportta* haben in erster Linie die zwei in Galizien tätigsten Sportklubs „Makkabi in Krakau und der Jüdische Sportklub in Lemberg beschickt; die beiden Vereine sollten sich auch in dem Fußballmatch um den Siegespreis bewerben, den die zionistische Hochschülerverbindung „Emunah“ in Lemberg für die siegende Mannschaft freundlichst bestimmte. Die von uns organisierte an* zehn Aerzten bestehende Kommission unter der Leitung des Herrn Dr- Izak Glücker sollte den Gesundheitszustand der Teilnehmer des Sporttage* vor und nach den Wettkämpfen genau untersuchen und ihr Gutachten über den allgemeinen Gesundheitszustand der Teilnehmer, wie auch ü®er die im Organismus der letzteren nach den Wettkämpfen festgestellten Krankheitserscheinungen herausgeben. Das ungünstige Wetter verhinderte jedoch die genaue Durchführung des beabsichtigten Programms; nur da* Fußbaflmatch konnte stattfinden, die leichtathletischen Uebungen wußte“ wegfallen. Die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchungen — wie aus dem bereits in der Dezembernummer 1913 der „Jüdischen Monatshefte“ von Dr. Btkeles veröffentlichten Berichte der ärztlichen Kommission deutnc« hervorgeht — haben den schlagensten Beweis geliefert, daß die Art uB Weise, in welcher die jüdischen Sportklubs in Galizien bis nun den Sport