Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 43 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 43 schlägt, obwohl gerade sie berufen wäre, auch in ihrem organisatorischen Ausbau das System als solches in seiner absoluten Wirkung zur Geltung zu bringen. Beweis dessen, daß unser Jugendturnen heute noch sehr im Argen liegt. Es ist eine nicht genug zu beklagende Tatsache, daß die Zöglingsabteilung das' Stiefkind, die Kinderriege aber den verwöhnten, iiberzärtlich behandelten Liebling jedes Vereins darstellt. Bei beiden zeigen sich •n jedem Falle die typischen Entartungserscheinungen dieser Methode. Das Kinderturnen führt bei seinen repräsentablen Beiträgen eine aristokratische Abgeschlossenheit, ist ein Luxusartikel, unerreichbar für ärmere Kreise. Immerhin aber meist unter Leitung eines wissenschaftlich gebildeten Fachmannes im numerus clausus voll besucht, wenn auch nicht auf Grund unseres organisatorischen Einflusses, sondern infolge der Macht des Kapitals jener Eltern, denen ihre günstigen Daseinsbedingungen es gestatten, ihrem Kinde im geeignetsten Zeitpunkte seines Daseins die Zwecke der jüdischen Turnbewegung fühlbar zu machen. Die Kinder ärmerer Eltern müssen dieser segensreichen Einwirkung unterdes entsagen. Sie sollen warten bis zu ihrem 14. Lebensjahre, der bedingten Reife für das Zöglingsturnen. Das Kind wartet auch, weil es Ihm die Eltern befehlen, aber es wartet nicht, bis es ihm der Verein gestattet. . Denn in dem nominierten Zeitpunkte ist aus dem sorgsam beaugapfeiten Bubi bereits ein ausgewachsener Bengel geworden — auch ohne Kinderturnen —> dessen berufliche Bildung seiner Eltern einzige Sorge ward, und der nun in dem Angebot des Vereins, falls ihm dieser durch Zufall bekannt wird, bestenfalls ein Attentat an seiner Freiheit erblickt. Und gar ein jüdischer Turnverein! Wer von uns, der an seine eigenen Eiegeljahre zurückdenkt, wird den Jungen darob schelten? Wer wird es nicht begreiflich finden, daß das Wörtchen „Jude“ oder „jüdisch“ schon durch seinen phonetischen Ernst dem Sturm- und Drangcharakter des werdenden Mannes verächtlich klingt, zumal es einer eingeimpften Konvention gegenüber nur geringe Stoßkraft besitzt? Wo aber bleiben wir dann mit unserem hochgepriesenen System, wenn wir in diesen gärenden Empfindungen eine heue Revolution hervorrufen wollen? Die jüdische Turnidee kann nicht gelehrt, sie muß erlebt werden, um zu wirken. Das reichste und1 tiefste Erleben aber wird dem Kinde, weil die Idee hier keinen vorgefaßten Eindrücken begegnet, auf keine Urteilshemmungen stößt und vor allem den Kampf mit dem Milieu nicht führen muß. Im Gegenteil! Sie vermag in diesem frühen Alter ein dauerndes Empfinden zu wecken, das vornehmlich alle Vorurteile lh Puncto judaico vorweg nimmt. Daß in d'em Kinde hierbei der Grund zu einer dauernden Liebe zum Judentum gelegt wird» mag dieses System als doppelt wertvoll kennzeichnen. W. U. (Fortsetzung folgt.) Oie jüdische Turnbewegung in Galizien. (Jahresbericht 1913 unseres Oalizischen Kreises.) Fortsetzung. Die Ergebnisse unserer Bestrebungen waren nicht die besten; es ist JJ* mider nicht gelungen? alle bereits seit längerer Zeit bestehenden Institutlir n *ründl!ch umzugestalten und alle neugegrtindeten Vereine mit tüch- Leitern zu versorgen.