Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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42 No. 2 Die organisatorische Bedeutung unseres Jugendturnens. Der Turnboden ist eine Lehr- und Lernstätte, auf der ein Lehrplan nach methodischen Prinzipien bewältigt wird, wie in jeder anderen Schule. Vielleicht noch gründlicher und zielbewußter, weil seine Reaktionen jederzeit klar zutage treten, dem Schüler nicht die Möglichkeit latenter Fehlentwicklung gewähren und so aus der Kontrolle des unbedingt gewissen Erfolges die Richtigkeit der systematischen Progression verbürgen. Daß zur Durchführung dieses Planes strammste Disziplin unerläßlich ist, erhellt aus der Tatsache, daß ja jedes System zu seiner gedeihlichen Verwertung das Moment der unbedingten Ordnung in sich trägt, lieber- und Unterordnung erscheinen dann nur als Differenzierungsmerkmale, die umso wesentlicher in Voraussetzung treten, je intensiver dieses System seine Ausgestaltung erfährt; Zucht, Selbstbeherrschung und Oemeinsinn also als Grundlagen, deren Qualität den Gradmesser für die jeweils vorauszusehende Entwicklung der Turngemeinde bildet und nicht umgekehrt. Das vernünftigste System wird papierne Theorie, wenn seine Grundsätze nicht pünktlich beachtet werden, seine ordnungheischende Norm wird zur Qual in einem Milieu, in dem Ihn* Wirrnis und Kleinlichkeit entgegentreten. Unsere jüdische Turnbewegung kann nicht gut als Nachläufer jener großen Periode angesehen werden, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die allgemeine Realisierung des Regenerationsgedankens vornahm. Die Körperzuchtbestrebungen erfuhren ihre äußere Entwicklung konform dem kulturellen Fortschritt als notwendige Instrumente völkischer Progressive und bedingt durch diese. Der jüdische Turngedanke kam W eine Zeit der höchsten Blüte der deutschen Turnbewegung und doch nicht zu spät. Die ausschließlich nationale Natur der meisten modernen Turnbewegungen, welche ihre Pforten dem Juden verschlossen, erleichterte der jüdischen Turnid'ee die Werbearbeit und ließ sie in einem Momente auf den Plan treten, in dem der Wunsch der jüdischen Massen nach körperlicher Betätigung eine hohe Intensität erlangt hatte. Und gerade hierdurch erschlossen sich der jüdischen Turnbewegung die geeignetsten Voraussetzungen gedeihlicher Entwicklung. Es erscheint ihr Programm als die endliche Erfüllung einer allgemein empfundenen nationalen Lebensnotwendigkeit. Ungehindert durch andere, nichtjüdische Turnbewegungen ist ihr die Möglichkeit des ruhigen und zielbewußten Ausbaues ihrer Organisation gegeben. So werden, von der Niederringung des Widerstandes im jüdischen Lager abgesehen, unsere organisatorischen Aufgaben höchstens zu Mitteln eines Wettkampfes, der nicht die größte Ziffer, nicht die verwegenste Uebung, sondern die tiefste und breiteste Durchdringung der Massen als Höchstleistung fordert. Die Einsicht, daß mit der Ausgestaltung unserer Organisation das erprobte Turnsystem den turnerischen Qualitäten ihre Förderung sichert, mag ein Grund mehr seinunbekümmert um die Erfolge anderer Nationen und bar jeglichen überstürfflCBden Ehrgeizes auch unseren organisatorischen Tendenzen ein System zugrunde zu legen, von dem wir unsere beste Entwicklung erwarten. Man muß uns den pleonatischen Charakter dieser Betrachtung zugute halten, wenn wir gleich daran anschließend bemerken, daß unsere Tu*11' bewegung nicht mit strenger Konsequenz diesen systematischen Weg ein*