Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 39 Mieten, die dem deutschen Kreise und jenen, die dem galizischen, türkischen und palästinischen Kreisen unterstehen. Wenn selbst diese „Mittellage“ die Vereine nicht in den Stand setzt, den ordnungsmäßig geltenden finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, so kann sich wohl jeder selbst beantworten, wie weit die Kreisvereine Galiziens, Palästinas und der Türkei dies vermögen. Es ist unverkennbar der Einfluß des Deutschen Kreises, der ^ie wirtschaftlich höchststehenden Gebiete umfaßt, der zur Fixierun d*eses enorm hohen Kopfbeitrages geführt hat. Eine Kritik der heutigen Bei- Vagsform darf sich jedoch weniger an die Höhe der Kopfsteuer halten, sondern muß vielmehr das Prinzip der Kopfsteuer selbst zu ihrem Ausgangspunkt wählen. Darüber aber war ich mir und mit mir sicher auch der Kreista8 bald klar, daß an Stelle der Kopfsteuer, die Bemessung nach den Einnahmen (Einkommensteuer! zu treten habe, wenn wir ernstlich eine genügende finanzielle Unterstützung des Verbandes einerseits und eine gesunde Entwicklung der einzelnen Vereine andererseits erreichen wollen. Beides st gleich wichtig. Darüber darf kein Zweifel herrschen, die weststerreichischen Vereine wollen den Verband und wollen ihn auch fördern; Ja die einzelnen Delegierten haben ihrem Bekenntnis zum Verband in Worten usdruck verliehen, deren aufrichtige Wärme mich, der ich erst seit sehr urzer Zeit in der jüdischen Turnbewegung stehe, verblüfft hat. Untersuchen wir vorerst die Mängel, die die Kopfsteuer zur Folge hat. t- Die Vereine vermögen diese Kopfsteuer nicht auf die Mitglieder abzu- ^älzen. Die Höhe der Kopfsteuer macht es den Vereinen unmöglich, für alle Mitglieder den Beitrag an die Jüdische Turnerschaft abzuführen. Die Vereine helfen sich damit, daß sie nur für einen Teil der Mitglieder die Verbandssteuer abführen. Die Statistik erfaßt nun natürlich nur lenen Teil und so ommt es, daß unsere Bewegung die einzige ist, die sich ieiner macht, als sie tatsächlich ist. 2. Die Kopfsteuer ist ungerecht; denn sie nimmt auf die in den Einzelnen Vereinen verschiedene Höhe des Mitgliedsbeitrages keine Rückj”cht, obwohl die Höhe der Vereinsbeiträge nicht willkürlich, sondern unter edachtnahme auf die finanzielle Leistungsmöglichkeit der Mitglieder bes •mmt wird. Diese Schabionisierung bringt es mit sich, daß , 3, die Kopfsteuer, zumal ln ihrem Jetzigen Ausmaße, die Erfassung der weiten proletarischen Volksmasse für das Turnen und den Anschluß an die üdisclie Turnerschaft erschwert. Und gerade in der Erfassung dieser Piksschichten sollte die Jüdische Turnerschaft ihre bedeutsamste Aufgabe ei'blicken. Turnen ist keine Sache für exklusive Kreise, eine Turnbewegung muß Volksbewegung sein, wenn es nicht zur Modesache ausarten und das cMcksal aller Moden teilen soll. Die jüdische Turnbewegung soll die praktische Möglichkeit schaffen, auch die Aermsten als vollwertige Mitglieder ln unsere Reihen treten nnen und dann erst werden wir sagen dürfen, die Jüdische Turnerschaft st die Jugend des jüdischen Volkes. Die Versuche, den jüdischen Arbeiter 5”d Angestellten zum jüdischen Turner zu machen, sind nicht aussichtslos. as beweist die Erfahrung, die wir in Oesferrelch haben. Ohne ausgewogene Arbeiterturnvereine zu sein, haben sich hierzulande doch schon