Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492379-5965026-5965364--354-4922536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
33 No. 1 gerade deshalb, weil er ursprünglich nicht Berufssoldat war, sondern so recht eigentlich für Haus und Hof, für Weib und Kind auf seiner Heimatscholle focht. Es ist z. B. erwiesen, daß sich bereits Cäsar der Juden als treffliche Bogenschützen und Fechter bediente. Was haben wir aus jenen Zeiten gelernt? Jahrhunderte hindurch ließen wir uns wehrlos schlagen, und als dann selbst die körperliche Renaissance in uns aufkeimte, als sich die Muskeln strafften und die Sehnen spannten und das Volk an seine Verteidigung dachte, da war es nur die rohe Körperkraft, die gegen den bewaffneten Feind wehrlos blieb. Man denke nur an die ruhmreiche jüdische Selbstwehr während der Pogrome: Helden, über deren Leichen sich der Feind erst den Weg bahnen mußte; Helden, die sterben mußten, weil ihnen Waffen und Waffenführung fremd waren. Wenn man bedenkt, daß z. B. fn Kalaresch eine Selbstwehrabteilung von 8 Mann, teils schlecht, teils gar nicht bewaffnet, ganze Straßenzüge vor dem Pogrom bewahrte, dann erst erkennen wir, was dem jüdischen Volke in jenen Tagen die Kunst der Waffenführung genützt hätte und ihm in künftigen Tagen unter gleichen Bedingungen noch nützen wird. Aber das große Publikum hat hierfür noch zu wenig Verständis; sieht ®s einmal zwei Fechter, dann hält es deren Uebung für ein überflüssiges Spiel. . Ein Spiel zwar ist für uns dieser Sport, aber ein gefährliches Mut. Kjaft und Gewandtheit förderndes Spiel. Das muß der großen Masse des Jüdischen Volkes klar gemacht werden! Und die hierzu berufen sind, das S|nd unsere Vereine, für sie sind die folgenden Zeilen bestimmt. Aus der Statistik, die uns am V. Jüdischen Turntag 1912 in Berlin kegeben wurde, geht hervor, daß zurzeit nur 3 Vereine den Fechtsport in ihr Programm aufgenommen hatten. Inzwischen mag sich ja einiges geändert haben; so hat z. B. der Bar Kochba, Berlin, eine Fechterschaft, die auf zwei Waffenarten (Stich und Hieb) ficht und der jüdische Frauenbund für Turnen und Sport eine Florettriege eingerichtet, die in Berlin und Wien peifall erntete. Mag sein, daß dieser und jener Verein noch eine Fechtriege jnzwischen eingerichtet hat. aber von besonderen Erfolgen und Erfahrungen üat man noch nichts gehört noch je etwas erwarten können. Denn uns fehlt ja ein einheitliches System und der innere Zusammenhang zwischen den einzelnen fechtenden Vereinen, um Erfahrungen austauschen zu können. Beginnen wir einmal, einzelne Fragen zu klären. Der „Spiritus rektor“ des Fechtbetriebes ist der F e c h t w a r t. Er muß nicht der beste, s°ndern ein guter Fechter sein, der das System des Fechtunterrichtes Verstehen und mit einem vorzüglichen Blick für die oft nur minimalen Fehler vPd Blößen ausgestattet sein muß. Eine kurze praktische Instruktion kann ",er schon manches erreichen, die Theorie lernt er aus der Literatur (folgt unten) und die Finessen aus der langjährigen Praxis. Es wäre eine unverzeihliche Unterlassungssünde, würden die nächsten Kreis- und Ver- Oandsturntage uns nicht den Vorturnerstunden entsprechend Gelegenneit zu Fechtinstruktionen bieten. Die Grundprinzipien können in wnem Kursus von 3 X 1% Stunden theoretisch und praktisch durchgearbeitet werden, hierfür muß eben die Zelt reichen. Wie machen wir für eine Fechtriege in unserem Verein Propaganda? Das ist eine weitere Frage, die allerdings schon schwieriger ist. /v° natürlich gar kein Interesse vorhanden ist, da wird man dem Vereine ,eltle Fechterschaft aufzwingen können, aber das schlummernde Interesse .ann man wach rufen durch Vorträge über den Wert des Fechtens und urch Uebungen von schon zwei Fechtern. Immer wieder und bei jeder .-^kenhelt muß es gezeigt werden, Mißerfolge dürfen nicht entmutigen! schließlich wird das Publikum doch fragen: Was ist das? Wie wird es ge«