Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492379-5965026-5965364--353-4922535- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32 No. 1 hat die Sache, wenn der Wald verschneit ist und womöglich noch Vollmond die Landschaft überstrahlt. Das sind so Uebungen, die geeignet sind, dem Sportsmann seine allgemeine „Form“ den Winter über zu erhalten. Darüber hinaus wird nun aber mancher bestrebt sein, die Ruhezeit für eine Vervollkommnung seiner Anlagen nach einer ganz bestimmten Richtung zu nutzen. Wie das geschehen kann, soll an ein paar Beispielen gezeigt werden. Beim Sprinter tritt bisweilen in ganz, auffälliger Weise ein Mangel an Bauchmuskulatur zutage. Der Läufer hat drei Viertel seiner 100 Meter- Strecke in schönem Stil zurückgelegt. Plötzlich richtet er sich steil in die Höhe, nimmt den Kopf ins Genick, scheint mit kurzen Schritten fast auf der Stelle zu trippeln und muß den Gegner an sich vorbeiziehen sehen. Hier ist es offenkundig, daß die Bauchmuskulatur des Mannes versagt und nicht mehr fähig ist, den Körper in der rechten Lage mit dem Schwergewicht weit vorn zu halten. Da muß die Gymnastik helfend eingreifen. Der Turner wird ohne weiteres wissen, welche Uebungen da in Frage kommen. Es sind dies Liegestütz mit seinen vielseitigen Uebungsmöglichkeiten, Beinheben in der Rückenlage und im Seithang am Reck und an den Schaukelringen und ähnliches. Eine Uebung, die sich bei der Kräftigung der Beinmuskulatur sehr gut bewährt hat, ist das Seilspringen. Kurzatmige werden bei geöffnetem Fenster Atemgymnastik treiben usw. Dem Hürdenläufer muß besonders daran gelegen sein, sich die Gelenkigkeit seiner Olieder zu bewahren. Er erreicht das durch wiederholtes Seitspreizen des Beines möglichst bis zur Höhe des in der Waghalte gehaltenen Armes, oder durch ruckmäßiges Anziehen des Knies bis zur Höhe der Brust. Immer mehr hat sich in neuerer Zeit die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß die Mehrzahl der leichtathletischen Uebungen ein gehöriges Quantum von Kraft zu ihrer erfolgreichen Durchführung erfordern. Man ist deshalb darauf verfallen, einige schwerathletische Uebungen zum Hilfstraining heranzuziehen, die auch ich besonders den Werfern empfehlen möchte. Martin Brustmann hat da in seinem Olympischen Trainierbuch in erster Linie auf die Uebungen des einarmigen Reißens und Stoßens hingewiesen. So wenig diese Uebungen selbst für den sportlichen Wettkampf geeignet erscheinen, da bei ihnen die Gefahr der Ueberanstrengung sehr naheliegt, so nützlich können sie sich, mit dem rechten Verständnis angewandt, als Trainingsübung er" weisen. Bei allen genannten Methoden ist es ersichtlich, daß sie sowohl im Hause als Zimmergymnastik wie auch in der Riege geübt werden können. Bisweilen wird ein verständiger Turnwart solch eine sportliche Riege ohne Unzuträglichkeiten ln den Betrieb des Turnabends einfügen können. Die Sportsleute werden sich für solches Entgegenkommen gewiß dankbar zeigen, indem sie sich ihrerseits der turnerischen Disziplin willig und vorbehaltlos unterwerfen. Dann wird auch auf diese Welse dem gegenseitigen Verstehen der turnerischen und der sportlichen Richtung im Verein gedient werden. ‘Der Fechtsport. Von Heinrich Kuhn, Fechtwart des J. T.-V. Bar Kochba,-Berlin. Bisher ist in unserer Bewegung keiner Sportart mit so wenig V®r" ständnis und Initiative begegnet worden, wie dem Waffensport. Und doc hat das jüdische Volk alle Veranlassung, anders zu handeln. Der Jude wa bekanntlich im klassischen Altertum ein gesuchter Waffenträger. VleHetcn