Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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14 No. 1 Im übrigen gibt es auch noch ein paar neue Tips allgemeinmenschlicher Art. So erfahren wir, daß der Zionismus uns den —-„Sklavensinn, den wir schon lange überwunden zu haben glaubten", gibt, daß er ferner „von der höheren Warte der Psychologie der jüdischen Lebenserscheinungen betrachtet, nichts wie der Ausdruck der zagen, schimpflichen Feigheit“ ist. Es wird uns ferner treuherzig angedeutet, daß der Zionismus wohl' nur erfunden sei, damit die Leutchen, die nicht gern geben, ein politisch aussehendes Deckmantelchen für die Ueberwindung ihres „Wohltätigkeitsjudentums“ haben. — Diese vornehme Anschauung des Komiteemanns braucht uns nicht weiter zu verwundern. Sind doch alle Antizionisten ständig damit beschäftigt, in aller Welt für des Qottesnamens Ehre und die allgemeine Ethik zu wirken (S. 13), „durch treues Festhalten an ihrer Religion die Welt für den reinen Qottesglauben zu erobern“ (S. 15) und durch Unterschreiben von Aufrufen die jüdische Mission zu erfüllen (S. 16). Der Zionismus aber „leugnet die Mission des Judentums und beschimpft die Rabbiner, welche diesen Stein als einen der herrlichsten in der goldenen Krone der jüdischen Lehre ansehen. Damit nimmt er aber einen der stärksten Antriebe zum sittlichen Handeln, das Gefühl der Verantwortung, das jeder einzelne von uns wie unsere jüdische Gesamtheit der Menschheit gegenüber trägt.“ Glücklicherweise gibt es nur wenige Zionisten (S. 43). „Der ganze Zionismus wird von ein paar Dutzend berufsmäßiger Schreier gemacht.“ Besonders kränkt es den Komiteemann, daß „der Zionismus so manchem nur das Mittel ist, um sich Namen und Berühmtheit zu schaffen.“ Kunststück! Wo die verdammten zionistischen Feiglinge es sich so leicht machen! Aber wie schafft man sich nebbich einen Namen, wenn man wegen der Eigenart seiner Produkte anonym bleiben muß? — An anderen Stellen verfügen die Zionisten plötzlich wieder über eine „unendliche Menge von redegewandten Agitatoren“ und haben riesige Geldmittel aufgehäuft. Es ist für den Schreiber einer 48 Seiten langen, acht Monate vorbereiteten Broschüre im allgemeinen empfehlenswert, sie selber einmal durchzulesen. Immerhin macht es uns den Autor recht sympathisch, daß er das mit Entnistung abgelehnt hat. Wer sich für die weiteren, teilweise geradezu tollen Widersprüche interessiert, mag die Broschüre selbst nachlesen. Nur eine besonders spaßhafte „Antinomie“ sei den Lesern hier aufgetischt: „Ist es nicht geradezu ein verbrecherischer Wahnsinn, sich über die Mission des Judentums mit dem billigen Spotte der Beschränkheit lustig zu machen, well wir sichtbare Erfolge unserer Weltanschauung zahlenmäßig nicht feststellen können? Ist der Erfolg überhaupt ein Maßstab für die Richtigkeit einer Idee?" (S. 16.) „Nein, der äußere Erfolg ist noch niemals der Maßstab für den inneren Wert einer Sache gewesen.“ (S. 17.)-„Wen aber selbst diese Erwägung nicht schon abbringen kann, der zionistischen Bewegung durch wohlwollende Neutralität und finanzielle Unterstützung die Wege zu ebnen, den möge ein Blick zunächst auf die A u s s i c h t e n und dann auf die sichtbaren Wirkungen des Zionismus nachdenklich machen.“ (S. 1.) „Und darin, daß das zionistische Endziel unerreichbar ist, besteht eine besondere Gefährlichkeit der Bewegung.“ (S. 8.) — Hier haben wir eines jener wunderbaren Welträtsel, die man nicht mit zersetzendem Verstände, sondern nur durch den rechten innigen Glauben an das antizionistische Komitee lösen kann. Nun haben wir Mauschels neueste Produktion unseren Lesern bekannt gegeben, und damit ist sie für uns erledigt. Mag fürderhin der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" ihren Inhalt, der „Deutsche Sprachverein“ ihre Form bekämpfen, uns geht die liebe kleine Broschüre nichts mehr an. Sie